Unter Wachstum verstehen die beiden Unternehmer Dr. Andreas Karguth und Olaf Mollenhauer auch die Vernetzung von Unternehmen und die Herausbildung von Industrie- und Technologie-Clustern sowie die Kooperation der Unternehmen in der Technologier Region Ilmenau Arnstadt untereinander.
Unter Wachstum verstehen die beiden Unternehmer Dr. Andreas Karguth und Olaf Mollenhauer auch die Vernetzung von
Unternehmen und die Herausbildung von Industrie- und Technologie-Clustern. Die beiden sind Gründer und Geschäftsführer der TETRA Gesellschaft für Sensorik, Robotik und Automation mbH. 30 Mitarbeiter sind heute in der TETRA GmbH tätig, überwiegend ingenieurtechnisches Personal. Neben eigenen Fertigungslinien für kleinere Serien stehen Forschung und Entwicklung im Mittelpunkt. Zu den Kernkompetenzen zählen die Entwicklung mechatronischer Präzisionsgeräte, optische Sensorik, planare Präzisionsantriebe, elektronische Steuerungen für die Geräteautomatisierung sowie Robotiksysteme für Handling und Inspektion.
Als gutes Beispiel für Vernetzung und Clusterbildung heben Mollenhauer und Karguth das Industriecluster ELMUG hervor, in dem sich Unternehmen der elektronischen Mess-und Gerätetechnik Thüringens in einer Genossenschaft zusammengeschlossen haben. Auch in dem Wachstumskern VERDIAN ist TETRA maßgeblich beteiligt. Olaf Mollenhauer ist sogar Sprecher der Kooperationsinitiative, die sich auf dem Gebiet der Direktantriebstechnik betätigt. Aber auch an der Gründung weiterer Cluster arbeiten sie mit, ebenso an einer Initiative von Firmen und Kommunen, die entlang der Bundesstraße 88 liegen und miteinander Kooperieren.
Nicht zuletzt haben sich Andreas Karguth und Olaf Mollenhauer stets für die Entwicklung der Technologie Region Ilmenau Arnstadt engagiert. Neben der engen Zusammenarbeit mit der TU Ilmenau bei der Entwicklung neuer Technologien war ihnen stets daran gelegen enge Beziehungen zu den Firmen der Region herzustellen. „Wir hoffen auch hier in den kommenden Jahren auf stärkere Impulse“, hebt Mollenhauer hervor. Auf die Frage, mit welchen Begriffen er die Technologie Region kurz und knapp charakterisieren würde, sagte er in aller Kürze: „Präzisionstechnik und Mechatronik!“
Doch bis sich die beiden Unternehmer dieser Seite der unternehmerischen Tätigkeit zuwenden konnten, war ein langer und nicht immer leichter Weg zu überwinden. Ihnen erging es wie vielen, die sich nach 1990 entschlossen haben, eine eigene Existenz zu gründen: Der Ausgang dieses Vorhabens war durchaus nicht gewiss.
Als 1989 der politische Umbruch in der DDR einsetzte und Staat und Gesellschaft in ihren Grundfesten erschütterte, hatten Olaf Mollenhauer und Dr. Andreas Karguth bereits einige Jahre Berufserfahrung als Ingenieure an der Technischen Hochschule Ilmenau angesammelt. Karguth kam aus Sömmerda und hatte von 1978 bis 1982 an der TH Ilmenau Gerätetechnik studiert. 1986 promovierte er in Ilmenau. Aus Berlin war Mollenhauer 1981 nach Ilmenau zu Studium der Gerätetechnik gekommen, das er 1986 abschloss. Beide blieben an der TH Ilmenau und waren an der Sektion Gerätetechnik als Assistenten tätig.
Im Jahr 1990 dauerte es nicht lange, dass die Technische Hochschule von den Veränderungen erfasst wurde. Diese verliefen, trotz eifrigen Bemühens des neuen Rektors Professor Köhler, zunächst nicht immer gut. „Es gab richtige Auflösungserscheinungen“, weiß Olaf Mollenhauer zu berichten. Und Andreas Karguth fährt fort: „Mit der Evaluation an der Hochschule machte sich große Unsicherheit breit. Viele Kollegen sind deswegen damals in den Westen gegangen.“
Zu denen, die diesen Weg wählten, gehörte auch Olaf Mollenhauer. In einem Unternehmen in der Nähe von Aschaffenburg fand er Arbeit. Während der gesamten Zeit blieben die beiden Ingenieure in Kontakt. Auch Dr. Karguth hatte sich schon entschlossen, die Hochschule und Ilmenau zu verlassen. Bei Bosch und bei Siemens war er vorstellig geworden. Doch einen promovierten Ingenieur aus dem Osten wollten die Konzerne damals nicht haben.
Schließlich vermittelte ihnen Professor Hans-Jürgen Schorcht einen Kontakt zum Fraunhofer-Institut für Produktions- und Automatisierungstechnik in Stuttgart. Der entscheidende Impuls zur Gründung eines Unternehmens kam von dort. Die beiden jungen Ingenieure standen vor der prinzipiellen Frage, ob sie zu den 80 Prozent gehören wollen, die gezogen werden, oder zu den 20 Prozent, die ziehen. Mollenhauer: „Wir haben uns dafür entschieden, bei denen mitzumachen, die ziehen.“
Mit dieser Antwort hatte sich die Frage nach dem Hierbleiben oder Weggehen erübrigt. Dr. Karguth zog gar nicht erst weg und Olaf Mollenhauer schickte sich an, nach Ilmenau zurückzukehren. 1991 gründeten Karguth und Mollenhauer die TETRA Technologietransfer GmbH. Dahinter stand die Idee, Knowhow aus der Hochschule in die Industrie zu überführen. Das Problem dabei war nur, dass es bereits andere Firmen gab, die dieses Geschäft viel effektiver betrieben. So haben die Gründer sehr schnell über ihr Geschäftsmodell nachgedacht und diesem eine neue Ausrichtung gegeben.
Die beiden Gründer besannen sich auf ihr eigenes Knowhow und vollzogen im Dezember 1991 die Umgründung zur TETRA Gesellschaft für Sensorik, Robotik und Automation mbH. Am 1. April 1992 startete der Geschäftsbetrieb. Nun war es endgültig an der Zeit für Olaf Mollenhauer nach Ilmenau zurückzukehren. Bis zu diesem Zeitpunkt war er noch parallel zu den Gründungsaktivitäten bei Aschaffenburg tätig.
Und wieder waren es unter anderen Freunde und Kollegen aus dem Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktions- und Automatisierungstechnik, mit deren Hilfe die Gründung möglich gemacht wurde. Mollenhauer: „Damals gab es große Förderprojekte. 15 Prozent mussten die Gründer aufbringen, 85 Prozent konnten aus Fördertöpfen bestritten werden. Wir hatten so gut wie nichts! Wir mussten uns auch noch die 15 Prozent borgen. Hier halfen uns die Kollegen aus dem Fraunhofer-Institut in Stuttgart. Bis heute sind wir diesen Leuten für ihre Fairness dankbar.“
Aber auch in Ilmenau fand die junge TETRA-Gesellschaft Förderer. „Einer der Ziehväter war Professor Peter Wiesner“, so Karguth: „Aber auch die Ilmenauer Professoren Anton Schreiber, Eberhard Kallenbach und Gerhard Bögelsack zählten dazu. Das hat uns sehr geholfen.“ Geholfen haben aber auch Menschen wie jener Technologieberater, der die junge Firma begutachtete, und an dessen Unterschrift die Bewilligung von Fördermitteln hing, berichtet Olaf Mollenhauer: „Er hat seine Unterschrift unter den Antrag gesetzt. Aber er betonte, er habe sie nur wegen uns gegeben, weil er uns den Erfolg zutraute. Nicht wegen der Geschäftsidee.“
Die Gründung erfolgte im ebenfalls noch ganz neuen Technologie- und Gründerzentrum Ilmenau, in einer der leer stehenden Baracken auf dem Campus. „Wir waren fast eine Garagenfirma“, bemerkt Andreas Karguth. Aus dieser ist in der Zwischenzeit ein wachstumsorientiertes und erfolgreiches Unternehmen entstanden. Aber es war auch ein schwerer Weg, von dem die beiden Freunde und Gesellschafter ein Lied singen können. Schnell mussten sie feststellen, dass eine Geschäftsidee und die Kreativität zweier Ingenieure nicht ausreichen, um auf dem Markt zu bestehen. Für beide war es ein schwieriger Weg vom Ingenieur zum Unternehmer. Olaf Mollenhauer: „Wir haben diesen Prozess regelrecht durchlitten!“
Vor allem mussten sie mit einem gewissen Bedauern feststellen, dass die unternehmerischen Aufgaben die wissenschaftliche Arbeit immer mehr verdrängten. Dennoch stellten sie sich dieser Herausforderung. „Vor allem weil es sich lohnt“, bemerkt Dr. Karguth, der jedoch anfügt: „Trotzdem wir uns finanziellen Fragen ebenso widmen mussten wie Marketing und Kundengewinnung haben wir das technologische Niveau stets sehr stark geprägt. Das ist bis heute so geblieben, auch wenn manches davon langsam an unsere Mitarbeiter übergeht.“ Mollenhauer ergänzt: „Es ist ein schönes Gefühl, wenn wir uns technischen Problemen zuwenden können, weil das einfach Spaß macht. Bei allem Unternehmertum sind wir doch im Herzen Ingenieure geblieben.“
Doch auch Unternehmertum macht Spaß. Ging es am Anfang darum, die Existenz zu sichern und schrittweise zu erweitern, steht heute ganz klar Wachstum auf dem Programm. Dabei geht es bei TETRA nicht um jenes exponentielle Wachstum, das auch in der Technologie Region Ilmenau Arnstadt einigen Firmen einen rasanten Aufstieg bescherte, dem kurz danach der tiefe Absturz folgte. Olaf Mollenhauer unterstreicht ausdrücklich jenes ausgewogene und stetige Wachstum, das dem Unternehmen den Erfolg gebracht hat: „Wir achten sehr darauf, dass wir ein gutes Rating bei den Banken haben.“