Während mit der Lasertechnologie zumeist eher kleine Werkstücke und filigrane Bearbeitungen assoziiert werden, ist bei der Avermann Laser und Kant-Zentrum GmbH das genaue Gegenteil zu erleben. Geschäftsführer Holger Hunstock stellt das Unternehmen vor, in dem bis zu zwölf Meter lange sowie drei Meter breite Stahlplatten zugeschnitten und gekantet werden.
Stolz berichtet Holger Hunstock, wie aus einer Firma, die anfangs im Freien Müllcontainer reparierte, ein Unternehmen entwickelt wurde, in dem pro Woche 560 Tonnen Stahl zugeschnitten und gekantet werden. Der Unternehmerfamilie Avermann in Osnabrück war dies zu großen Teilen zu danken. Hunstock: „Die Avermanns hatten familiär eine Affinität zu Thüringen und haben sich nicht vor hohen Investitionen gescheut.“ Seit 2002 führt Holger Hunstock das Unternehmen. Die Osnabrücker Unternehmer haben ihm viel freie Hand gelassen, so dass er seine Erfahrungen von der Verarbeitung des Stahls, die er bei der Chema in Arnstadt erworben und in einer Reihe weiterer Firmen vervollkommnet hat, in der Avermann Laser und Kant-Zentrum GmbH voll und ganz einbringen konnte. Das Unternehmen ist auf dem Gewerbegebiet Ichtershausen-Thörey ansässig, das inzwischen mit der Großansiedlungsfläche „Erfurter Kreuz“ nahezu verschmolzen ist sowie mit weiteren Gewerbeflächen in den Nachbarkreisen einen zusammenhängenden großen Wirtschaftsraum bildet.
Auf 65 Mitarbeiter ist das Unternehmen inzwischen angewachsen. Kunden sind Schwer- und Spezialmaschinenbauer, Hersteller von Spezialfahrzeugen, Baumaschinenproduzenten und viele mehr, die Stahlzuschnitte benötigen. Bis zwölf Meter Länge, drei Meter Breite und 25 Millimeter Dicke können Stahlplatten mit Laseranlagen zugeschnitten werden. „Das kann in Deutschland außer uns nur noch eine Firma“, kommentiert der Geschäftsführer die Leistungsfähigkeit seines Unternehmens und fügt hinzu: „Die Automobilindustrie mit ihrem Massenbedarf ist für uns als Kunde nicht interessant. Für uns sind Stückzahlen von einem bis 500 optimal. Was darüber liegt, ist für den Laser ungeeignet.“
Die Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 hat die Avermann Laser und Kant-Zentrum GmbH zwar mit Einbußen, aber ohne Entlassungen überstanden. Die Lehre, die Hunstock daraus zog, mündete in die Entwicklung eines eigenen Produkts, das es bis dahin in dem Unternehmen nicht gab: „Mir wurde klar, dass in solchen Situationen ein eigenes Produkt das Überleben sichern kann.“ So entstand eine Anlage mit der Bezeichnung RW 101. Hinter dem Kürzel steht ein Speiserestezerkleinerer mit Entsorgungsanlage. RW heißt nichts anderes als „ResteWolf“. Eine Testanlage, die sogar Knochen mühelos schreddert, steht in der Küche eines renommierten Hotels in Frankfurt am Main und hat sich dort bewährt. Die Abfälle werden in einem Tank aufgefangen und können zum Beispiel in einer Biogasanlage verwertet werden.
Neben dem üblichen Baustahl werden Edelstähle, Aluminium und bei Bedarf auch Sonderwerkstoffe verarbeitet. Dabei sind die Arbeitsbereiche für Baustähle strickt von denen für Edelstahl und Aluminium getrennt. Angesichts der guten wirtschaftlichen Entwicklungen denkt Holger Hunstock über den Bau einer weiteren Halle nach. Das Grundstück ist groß genug dafür. Auch für eine Reihe von Maschinen werden in den kommenden Jahren Ersatzinvestitionen nötig. Da freut sich der Geschäftsführer über den guten Stand des Unternehmens: „Es ist gut, dass wir keine verlängerte Werkbank sind. Zwar ist die Firma Tochterunternehmen von Avermann, doch wir sind hier voll wirtschaftlich selbstständig.“
Ganz selbstverständlich ist für Holger Hunstock sein Engagement in der Initiative „Erfurter Kreuz“, in der inzwischen 50 Unternehmen weit über den Industriepark hinaus mitwirken. Als Vorstandsmitglied hat er sich besonders der Entwicklung der Infrastruktur in dem gleichnamigen Arbeitskreis angenommen. Auf diesem Gebiet sieht der Unternehmer noch viel Handlungsbedarf, zum Beispiel um das „Erfurter Kreuz“ noch besser an den Nahverkehr des Umlandes anzubinden.
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Anlauffoto: Holger Hunstock, Geschäftsführer der Avermann Laser und Kant-Zentrum GmbH. Foto: wr