Mit ausgereiften Servicerobotern und mit dem Schritt in die Industrierobotik hat sich die Ilmenauer MetraLabs GmbH als Ausgründung aus der TU Ilmenau auf dem Markt etabliert.
Ilmenaus Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber hat die MetraLabs GmbH heute im Rahmen seiner Betriebsbesuche aufgesucht. Er interessierte insbesondere über die Anwendungsmöglichkeiten der von MetraLabs entwickelten Produkte. Diese haben sich in den zurückliegenden Jahren deutlich erweitert, wie Geschäftsführer Andreas Bley berichtete. Nachdem der erste praxistaugliche Serviceroboter für einen Baumarkt Erfolg gebracht hatte, gab es auf dessen Basis eine Reihe von Weiterentwicklungen. So ist es möglich, die mobile Roboterplattform für unterschiedlichste Anwendungen auszustatten. Geschäftsführer Dr. Andreas Bley und Johannes Trabert, Leiter für Elektronikentwicklung, gaben Erläuterungen zum Unternehmen und zu den Produkten.
Der Oberbürgermeisters Frage, ob der Roboter im Baumarkt nicht mehr Schaueffekt als praktische Bedeutung habe, stimmte Andreas Bley in gewisser Weise zu. Er räumte aber auch ein, dass MetraLabs an weiteren Einsatzmöglichkeiten im Bereich Handel und Logistik arbeite: „Natürlich ist ein Shoppingroboter ein Anziehungspunkt mit Werbeeffekt. Wir sind aber dabei, seine praktische Anwendbarkeit zu erweitern. Er könnte künftig beispielsweise im Vorbeifahren den Warenbestand in den Regalen zu erfassen und Lücken im Sortiment festzustellen. An entsprechender Software und der dazu erforderlichen Sensorik arbeiten wir.“
Wichtiger noch für MetraLabs war allerdings der Schritt vom reinen Shoppingroboter zur industriellen Anwendung. Bley erläuterte: „Hier ist der Markt viel größer und bietet erhebliche Potenziale.“ Vor allem der Einstieg in die Reinraumtechnik ist dem Unternehmen gelungen. Dabei geht es darum, Messungen der Luftqualität in Reinräumen mit Hilfe von Robotern durchzuführen. Diese sind auf Grund ihrer autonomen Bewegungsfähigkeit in der Lage, an jedem Ort des Reinraum Messungen vorzunehmen und dabei eine deutliche Effizienzsteigerung zu ermöglichen. „Für Infineon in Dresden haben wird das bereits realisiert“, sagte Dr. Bley und zeigte ein entsprechendes Video. Ungeachtet dessen wird auch an der Verbesserung von Shoppingrobotern und Assistenzrobotern für andere Einsatzgebiete gearbeitet. Weitere Robotervarianten sind für den Einsatz in Pflegeheimen und in Restaurants entwickelt worden.
Eines der wichtigsten Entwicklungsziele der MetraLabs GmbH ist die Senkung der Kosten für die Roboter. Diese liegen je nach Ausstattung bei 20 000 bis 30 000 Euro pro Exemplar. Bley: „Wenn es uns gelingt, die Kosten für einen Shoppingroboter auf 5000 Euro zu senken, dann eröffnen sich auch auf diesem Gebiet viel bessere Verkaufschancen.“ Insgesamt sahen Andreas Bley und Johannes Trabert die mobile Robotik noch ganz am Anfang sowohl in ihren technischen Möglichkeiten als auch in der Anwendung. Auch der Markt ist noch nicht sehr entwickelt, die Konkurrenz eher überschaubar. Die Potenziale werden derweil sehr hoch eingeschätzt.
Im Jahr 2001 haben Dr. Andreas Bley, Dr. Matthias Merten, Dr. Johannes Trabert und Christian Martin die MetraLabs GmbH auf der Grundlage eines preisgekrönten Projekts aus dem Wettbewerb „Jugend forscht“ gegründet. Dabei ging es zunächst um ein universelles internetgestütztes Regelungssystem für die Haustechnik. In der Zusammenarbeit mit dem von Professor Horst-Michael Groß geleiteten Fachgebiet Neuroinformatik, kognitive Robotik schloss sich eine Entwicklungsphase an, aus der eine mobile Roboterplattform hervorging. So wurde die mobile Robotik zum tragenden Baustein des Unternehmens.
Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber freute sich, dass das Unternehmen mit insgesamt 12 Mitarbeitern einen so guten Stand erreicht hat. Die Kooperation mit der TU Ilmenau, insbesondere mit dem Fachgebiet Neuroinformatik und kognitive Robotik wird mit Erfolg weitergeführt. Johannes Trabert: „Das Fachgebiet betreibt Grundlagenforschung und erarbeitet prinzipielle Lösungen für bestimmte Probeleme. Wir machen daraus Anwendungen für die Praxis.“
Zum Fachgebiet Neuroinformatik und kognitive Robotik der TU Ilmenau
Anlauffoto: Der Shoppingroboter SCITOS, entwickelt und gebaut von der MetraLabs GmbH. Foto: wr