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Acht Milliarden Mikroblasen in einem Kubikzentimeter

solgel145SGIL Silicaglas Ilmenau GmbH ist Tochterunternehmen der QSIL Quarzschmelze Ilmenau GmbH in Langewiesen. Anders als bei QSIL, wo das Glas bei Temperaturen um 2000 Grad verarbeitet wird, kommt SGIL völlig ohne Schmelze aus.

Die Herstellung von Quarzglas erfolgt bei SGIL nach dem weltweit einzigartigen Sol-Gel-Verfahren. Dabei werden Quarzglasprodukte ohne die übliche Schmelze hergestellt. Auf hohe Temperaturen und damit auf hohen Energieeinsatz kann hier verzichtet werden. Stattdessen wird mit einem Nassgel gearbeitet, das bei Zimmertemperatur gegossen werden kann. Nach einem Trocknungsprozess erfolgt eine Materialumwandlung durch Sinterung. Dabei entsteht ein glasklares und überaus reines Quarzglasprodukt. Das Gießverfahren ermöglicht es zudem, eine große Formenvielfalt unterschiedliche technische Anwendungen zu erzeugen.

Dr. Thomas Kreuzberger und Michael Keitz, beide Geschäftsführer der in Langewiesen ansässigen SGIL Silicaglas Ilmenau GmbH räumten ein, dass sie einen schwierigen Weg zurücklegen mussten, um das Verfahren zur Produktionsreife zu führen. Gegründet wurde Silicaglas bereits 2003. Damals wurde ein Lizenzvertrag für ein Sol-Gel-Verfahren abgeschlossen, nachdem man sich mit einer italienischen Firma darüber geeinigt hatte. Ab 2005 erfolgten die ersten Investitionen, 2006 ist die QSIL GmbH mit 25 Prozent eingestiegen. Allerdings brachte das mit dem Lizenzvertrag erworbene Verfahren nicht die gewünschten Ergebnisse. Nachdem sich Silicaglas mit Hilfe eigener Forschung und Entwicklung aus seiner misslichen Lage befreien konnte, wurde der Lizenzvertrag gekündigt. Vor drei Jahren schaffte das Unternehmen den Durchbruch mit der eigenen Technologie.

Mit dem selbst entwickelten Verfahren ist es nun möglich, komplexe Formen zu erzeugen. Bei Silicaglas werden Quarzglasprodukte für die Optik, für die Analytik und für den Glasapparatebau gefertigt. Ein besonders hohe Potenzial versprechen Produkte für die Optik und Sensortechnik. Etwas ganz besonderes sind optische Streuscheiben, die das Unternehmen ebenfalls selbst entwickelt hat. Dabei werden acht Milliarden Mikroblasen in einen Quarzglasblock von einem Kubikzentimeter eingebracht. Die Blasen sind zwei Mikrometer groß. Anzahl und Größe der Blasen sind steuerbar. Kreuzberger: „Das kann außer uns niemand auf der Welt!“

Auf diesen Gebieten arbeitet SGIL mit Unternehmen der Sensortechnik im Ilm-Kreis sowie mit dem von Professor Stefan Sinzinger geleiteten Fachgebiet Technische Optik an der Fakultät für Maschinenbau der TU Ilmenau zusammen. Auf dem schwierigen Weg zu anwendbaren Technologie haben die Mitarbeiter der SGIL GmbH ein enormes Wissen auf diesem Gebiet angesammelt, das sich jetzt auszahlt.

Etwa eine Million Euro Umsatz erwirtschaftet die kleine Tochterfirma von QSIL mit ihren fünf Mitarbeitern bisher im Jahr. Geschäftsführer Michael Keitz ging jedoch von erheblichen Wachstumschancen aus. Deswegen sind in den kommenden Jahren weitere Investitionen geplant. Sein Kollege Thomas Kreuzberger: „Bei der Quarzglasherstellung im Sol-Gel-Verfahren handelt es sich um eine Zukunftstechnologie. Und damit stehen wir noch ganz am Anfang.“solgel800

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