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Die Softvise-Gründer Ronny Krüger (l.) und Thomas Preidel (r.) bei Arbeiten in der FASP. Foto: wr

Softvise GmbH

„Wir reduzieren den Aufwand für virtuelle Produktmodelle um ein Vielfaches.“ Das ist das Motto der Softvise GmbH. Sieben Informatiker mit einer engen, langjährigen Bindung zur Technischen Universität Ilmenau arbeiten an Entwurf und Umsetzung eines Software-Systems – es heißt Cadmium – zur Handhabung von komplexen dreidimensionalen virtuellen Gesamtmodellen, die aus vielen einzelnen CAD-Dateien und 3D-Laserscan-Datensätzen bestehen.

Im Bild: Die Softvise-Gründer Ronny Krüger (l.) und Thomas Preidel (r.) bei Arbeiten in der FASP. Foto: wr

Softvise GmbH: Geschichte der Gründung

Die Gründung

Die Gründer der Softvise GmbH (v.l.) Steffen Cernowski, Ronny Krüger und Thomas Preidel. Foto:wr

Thomas Preidel und seine Mitstreiter arbeiten bereits seit beinahe 15 Jahren im Bereich der Computergrafik zur Visualisierung von Ingenieursmodellen. Beginnend mit den Diplomarbeiten bei Professor Beat Brüderlin im Fachgebiet Graphische Datenverarbeitung der TU Ilmenau formte sich das heutige Team und es entwickelte sich Stück für Stück die Idee für ein Softwareprodukt, das für die Erfordernisse der Fabrik- und Anlagenplanung ausgelegt ist und die dort anfallenden sehr großen 3D-Datenmengen in Echtzeit bewältigen kann.

Nach den Jahren an der TU Ilmenau trennten sich die Wege für einige Zeit, bis Ende 2013 die Entscheidung fiel, sich wieder zusammen zu finden und das eigene Unternehmen zu gründen.

Fragen zum Gründungsprozess

Thomas Preidel, Geschäftsführer der Softvise GmbH. Foto: wr

Wer ist die Softvise GmbH?

„Softvise ist der Hersteller von Cadmium, einer Digital-Mockup-Software, mit der Ingenieure CAD- und 3D-Laserscan-Daten zu einem volldetaillierten digitalen Gesamtmodell zusammensetzen und dieses am Bildschirm prüfen können. Cadmium liest alle Standard-CAD-Formate und die gebräuchlichsten Laserscan-Dateiformate. Es erlaubt beliebig große Gesamtmodelle und bietet benutzerfreundliche Visualisierungs- und Prüfungsfunktionen, die ohne nennenswerte Verzögerung arbeiten. Selbst das Laden der Daten von der Festplatte ist konkurrenzlos schnell. Das bedeutet, dass wertvolle Ingenieursstunden zu 100 Prozent für Ingenieursarbeiten genutzt werden können und sich für den Anwender von Cadmium enorme Kostenvorteile ergeben.

In der Softvise GmbH sind wir sieben gleichberechtigte Partner, auch wenn das Unternehmen zunächst von Ronny Krüger, Steffen Cersowsky und mir gegründet wurde und die anderen vier erst später hinzukommen konnten. Wir pflegen einen kommunikativen Stil der Zusammenarbeit, ohne dass wir zu viel Zeit für Reden verschwenden. Unser Fokus liegt auf einer schnellen Entscheidungsfindung und anschließender effizienter Umsetzung unserer Ziele. Dank einer serverbasierten Infrastruktur hat jeder von uns zu jedem Zeitpunkt und von jedem Ort aus Zugriff auf alle Unternehmensinformationen.

Beim Kunden zeichnen wir uns durch Ehrlichkeit aus – meist gewürzt mit einer guten Prise Humor. Wir meinen, was wir sagen, und liefern, was wir versprechen.

Generell ist uns der Teamerhalt sehr wichtig. Das bedeutet aber nicht, dass jede kleine Entscheidung in einer Gesellschafterversammlung getroffen werden muss. Jeder im Team ist mit einer spezifischen Rolle bedacht. So bringen wir unsere spezifischen Kernkompetenzen zum Tragen und kommen zu guten Lösungen. Ich bin unter anderem für das Pflegen der Kundenbeziehungen zuständig und erhalte dazu von meinen Kollegen das nötige Vertrauen. Sie übernehmen ihrerseits interne Organisation, Produktmanagement, Marketing, Finanzen usw. Natürlich hat jeder von uns auch spezifische Informatik- und Computergrafik-Kompetenzen, die er in die Entwicklung von Cadmium einbringt.“

Wie seid Ihr auf Eure Geschäftsidee gekommen?

„Unsere Computergrafik-Technologie fußt auf den Studien- und Forschungsarbeiten unserer Teammitglieder, wenngleich die heutige Technik nur noch wenig mit der aus der Anfangszeit zu tun hat. Im Rahmen unserer späteren Arbeiten bekamen wir dann Einblick in die Planung von Fabriken und Anlagen sowie den Bau von anspruchsvollen Gebäuden. Daraus ergab sich ziemlich direkt die Idee für unsere Digital-Mockup-Software Cadmium.“

Was waren die größten Meilensteine in der Gründung der Softvise GmbH?

„Da gäbe es viele zu nennen: Der erste Tag im eigenen Büro, der erste Auftrag, der Beginn der Kooperation mit einem Vertriebsunternehmen und natürlich die Präsentation der ersten Version von Cadmium nach dem Start der Entwicklung bei Null. Auch die Demonstrationen bei potentiellen Kunden sind oft große Meilensteine, weil wir uns immer vornehmen, bestimmte Funktionen zu diesen Terminen fertig zu stellen.

Wir sind sehr stolz darauf, dass wir unseren Zeitplan, den wir vor der Gründung aufgestellt hatten, weitestgehend einhalten konnten.

Auch haben wir festgestellt, dass wir nicht nur Geld verdienen wollen. Natürlich wollen wir davon leben und das Unternehmen stetig weiterentwickeln, aber wir wollen und dürfen unser Hobby ausüben und die Arbeit zu einem Erlebnis für uns und alle mit uns verbundenen Personen machen. Ich glaube, das ist ein Segen.“

Was sind die weiteren Pläne der Softvise GmbH?

„Das Nahziel ist, die Softvise GmbH zu einem stabilen Unternehmen zu machen und eine ausreichend große Kundenbasis für Cadmium aufzubauen. Wir sehen, dass unsere Technologie führend im Markt ist und möchten sie auf längere Sicht als Standard-Softwarelösung für die Begutachtung von virtuellen Ingenieursmodellen auf allen verfügbaren Systemen etablieren.

Wir möchten beständig Innovationen schaffen, die dem Kunden nützen und ihm die Sicherheit geben, dass sie von uns und mit uns das bestmögliche und für sie richtige Produkt bekommen. Dazu gehört auch, dass wir keinen Kunden im Regen stehen lassen oder durch minderwertige Arbeit bereits aufgebaute Kontakte verbrennen. Generell wäre es aber vermessen, von einer riesigen Vision zu sprechen.“

Habt Ihr jemals bereut, Euch für die Selbständigkeit entschieden zu haben?

„Nein. Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht und erhalten sehr positive Reaktionen von unseren Kunden. Für uns ist das der Schlüssel zum Erfolg.“

Unser Standort

Was machen Thüringen und insbesondere Ilmenau als Unternehmensstandort attraktiv?

„Generell spielt der Standort unseres Unternehmens eine eher untergeordnete Rolle. Dennoch ist Ilmenau für uns attraktiv, weil wir mitten in Deutschland sind und alle Kunden und Partner recht schnell erreichen können. Die Nähe zur Universität ist auch von Vorteil wegen der vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten und weil wir potenziellen Nachwuchs akquirieren können.

Die Autobahn ist für uns eine unverzichtbare Lebensader, ohne die wir das Unternehmen sicher nicht in Ilmenau aufbauen würden, da wir fast jede Woche irgendwohin zum Kunden fahren müssen. Meist geht es nach München oder Stuttgart und Umgebung, aber wir hatten auch schon Termine im Ruhrgebiet, in Emden, in Hamburg und in Rostock. Im Prinzip wäre auch eine Flugverbindung von Erfurt nach München interessant, so wie es sie früher gab, womit meine Meinung zur neuen ICE-Strecke auch schon gesagt wäre: Die Milliarden hätte man aus unserer Sicht sinnvoller investieren können.

Aus eigener Erfahrung ist es so, dass wir ausländische Kunden lieber in Erfurt einquartieren und dann selbst mit nach Ilmenau nehmen, obwohl die Hotellerie in Ilmenau recht gut ist. Der Gastronomie mangelt es leider an Vielfalt.

Generell erhoffen wir uns von der Landespolitik, dass sie die Interessen der kleinen und mittleren Unternehmen noch viel stärker wahrnimmt. Wer sonst wird in Ilmenau Arbeitsplätze schaffen?“

Unsere Tipps

Entwickler bei der Arbeit in der Softvise GmbH. Foto: wr

Welche Tipps könnt Ihr anderen Gründern mit auf den Weg geben? 

„Das Schwierige an der Selbständigkeit ist, dass man nach einem Arbeitstag nicht nach Hause gehen und sagen kann, dass am Ende des Monats das Gehalt sicher auf dem Konto ist. Die Freiheit, die man gewinnt, ist gleichzeitig eine Einschränkung, denn es gibt quasi keine Freizeit mehr. Deshalb muss man großes Vertrauen darin haben, dass es in Zukunft wieder Zeit außerhalb der Arbeit geben wird. Man braucht aber einen Ausgleich, sei es die Familie oder ein Hobby, schon um keine Betriebsblindheit einkehren zu lassen. Denn prinzipiell ist alles viel weniger magisch, als es scheint. Man muss es einfach tun.

Weiterhin ist es wichtig, dass man schon bei der Unternehmensgründung potentielle Kunden anvisiert und sicher stellt, dass diese die Idee für das geplante Produkt bzw. die geplante Dienstleistung für sinnvoll halten. Gleichzeitig sollte man Kontakte und Kooperationen zum beiderseitigen Nutzen aufbauen.

Vor der Gründung sollte man unbedingt Erfahrung im eigentlichen Betätigungsfeld gesammelt haben und für zwei Jahre Durchfinanzierung einplanen. Und immer realistisch und bodenständig bleiben!“

 

 

Das Unternehmen

Softvise GmbH, Ehrenbergstraße 11, 98693 Ilmenau

Telefon: +49 3677 67977-00

Telefax: +49 3677 67977-99

E-Mail: info@softvise.de

www.softvise.de

Gegründet: 2014 
Gründungsförderung: Kaltmietförderung im TGZ Ilmenau
Gründer: Thomas Preidel, Ronny Krüger, Steffen Cersowsky und vier weitere
Mitarbeiter heute: 7 Mitarbeiter (Stand Juli 2015)
Branche: 3D-Visualisierungstechnologie
Produkt/Innovation: Echtzeit-Verarbeitung und -Visualisierung von sehr großen 3D-CAD-Modellen und 3D-Laserscans; Hersteller der Digital Mock-up Software Softvise Cadmium