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Kleines Unternehmen im ländlichen Raum bewährt sich im weltweiten Wettbewerb

Drehteile in hoch präziser Ausführung, auch mit sehr komplexen Geometrien sind in der Industrie begehrte Produkte der PDF Präzisionsdrehteile Frankenhain GmbH & Co. KG.

Besuch bei Jürgen Eisner (l.) am CNC-Drehautomaten: PDF-Geschäftsführerin Anke Sauerbrey (Mitte) und Landrätin Petra Enders (r.). Foto: wr

Am 12. März 2019 besuchte Landrätin Petra Enders die PDF Präzisionsdrehteile Frankenhain GmbH & Co. KG. Geschäftsführerin Anke Sauerbrey, Produktionsleiter Robert Hofmann und Sebastian Groth, Leiter der Arbeitsvorbereitung, stellten den Gästen das Unternehmen vor. Zu diesen gehörten unter anderen Alexander Kötschau, Geschäftsführer des Jobcenters Ilm-Kreis, die neue persönliche Mitarbeiterin der Landrätin, Melanie Tippel, und Petra Beyer, Wirtschaftsförderung des Ilm-Kreises. Die Landrätin hob hervor, dass ihr die Situation der Unternehmen des Ilm-Kreises besonders am Herzen liege, weshalb sie sich mit ihren Unternehmensbesuchen hierzu immer wieder einen Überblick verschaffen wolle. Mit 57 Mitarbeitern zählt PDF eher zu den kleineren Firmen, doch ganz an der westlichen Kreisgrenze des Ilm-Kreises gelegen, prägt das Unternehmen die Wirtschaft in der ländlichen Region um Gräfenroda und Frankenhain, bis hinein in den Landkreis Gotha entscheidend mit.

Global Player gehören zu den Auftraggebern

Die Automobil- und deren Zulieferindustrie ist größter Abnehmer der Produkte der PDF Präzisionsdrehteile Frankenhain GmbH & Co. KG. Aber auch die Schienenfahrzeugindustrie, die Hydraulikindustrie und der Maschinen- und Anlagenbau benötigen Präzisionsdrehteile, die in Frankenhain hergestellt werden. Global Player wie Bosch und Bosch-Rexrodt oder Thyssen-Krupp gehören zu den Kunden. Allerdings lassen auch Firmen aus der TECHNOLOGIE REGION ILMENAU ARNSTADT Drehteile bei PDF fertigen. Solche Aufträge sowie Aufträge aus der Industrie, die nicht zur Automotiv-Branche zählt, nehme man besonders gern an, so Geschäftsführerin Anke Sauerbrey. Das Ziel bestehe darin, das Produktionsportfolio diverser aufzustellen und die Abhängigkeit von der Entwicklung der Automobilindustrie zu verringern.

Bei der Fertigung von Drehteilen ist das Unternehmen sehr breit mit einem leistungsfähigen Maschinenpark aufgestellt. Präzisionsdrehteile in rotationssymmetrischer Form, aber auch mit asymmetrischer Geometrie werden nach Angaben der Auftraggeber hergestellt. PDF ist reiner Lohnfertiger ohne eigene Konstruktions- oder Entwicklungsabteilung. Die Kunden übergeben mit dem Auftrag die Konstruktionsunterlagen, nach denen gearbeitet wird. Das Unternehmen verfügt hierfür über CNC-Ein- und Mehrspindeldrehautomaten, CNC-Langdrehautomaten, Bohr-, Fräs- und Drehmaschinen für die Nachbearbeitung, Anlagen zur Qualitätsüberwachung sowie über eine Anlage zur Reinigung der Werkstücke. Produktionsleiter Robert Hofmann schätzte ein, dass etwa 25 bis 30 Millionen Drehteile jährlich das Werk verlassen.

Hohe Investitionen in den Maschinenpark

Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1993 wurden an die 17 Millionen Euro in den Maschinenpark investiert, sagte Anke Sauerbrey und fügte durchaus mit Stolz hinzu: „Seit 2014 haben wir dafür keine Fördermittel mehr in Anspruch genommen.“ Zugleich betonte die Geschäftsführerin, dass laufende Investitionen in Automatisierung und allgemeine Rationalisierung zwingend erforderlich sind: „Wir müssen uns in einem internationalen Wettbewerb behaupten. Das heißt: unsere Kunden vergleichen uns direkt mit Unternehmen in China oder in anderen Ländern der Welt. Da nützt das Argument von der deutschen Wertarbeit wenig, weil inzwischen alle relevanten Anbieter Qualität können. Da entscheidet am Ende nur der Preis.“

Probleme bereitet PDF die Gewinnung von Fachkräften. Etwas abgelegen von den großen Verkehrsverbindungen ist das Unternehmen sehr stark auf Mitarbeiter aus dem unmittelbaren Nahbereich Frankenhains und der Nachbargemeinden angewiesen. Der Anteil an Pendlern aus entfernteren Gebieten ist sehr gering. Deshalb genießt die Berufsausbildung hohe Wertschätzung. Drei Auszubildende sind momentan in dem Unternehmen tätig. Sie erlernen entweder den Beruf des Zerspanungsmechanikers oder den des Maschinen- und Anlagenfahrers. Gern würde die Geschäftsführerin sofort einen Elektriker und eine Buchhalterin einstellen. Immer gefragt sind Zerspanungsmechaniker und Maschinenbediener, die im Dreischichtsystem arbeiten.

Gelungene Unternehmensnachfolge

Die PDF Präzisionsdrehteile Frankenhain GmbH & Co. KG ist ein Paradebeispiel einer gelungenen Unternehmensnachfolge. Die Firma in der bis heute bestehenden Rechtsform wurde 1993 gegründet. Seit 1927 gab es in Frankenhain eine Drehteileproduktion. Zu DDR-Zeiten gehörte die Fabrik zum VEB Schraubenwerk Tambach-Dietharz im Kombinat Wälzlager und Normteile. Gerd Sauerbrey, in der Wendezeit Technischer Leiter, führte das Werk durch den Umbruch. Trotz des enormen Verlustes an Aufträgen gelang es ihm, die Produktion aufrecht zu erhalten. Mit der Firma AUCH Präzisionsdrehteile GmbH Co. KG in Stuttgart fand er einen Partner, mit dem es gelang einen Firmenverbund zu errichten, in dem jedoch beide Unternehmen selbstständig blieben. So konnte die Gründung 1993 als GmbH & Co. KG erfolgen. Gerd Sauerbrey führte die Firma zum Erfolg und übergab die Geschäftsleitung 2012 an seine Tochter Anke Sauerbrey. Die Übergabe sei problemlos verlaufen, sagte die Firmenchefin. Bis heute stehe ihr Vater beratend zur Seite und sie nutze gern seine Erfahrungen. In das Tagesgeschäft greife er aber nicht ein.