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Ilmenau und Kasan rücken eng zusammen

Beim Besuch des Präsidenten der Autonomen Russischen Republik Tatarstan, Rustam Minnichanow, im vergangen Jahr an der TU Ilmenau, gewann die Gründung einer deutsch-russischen Universität Gestalt. Jetzt wird das Projekt Realität.

Der Rektor der TU Ilmenau, Professor Peter Scharff, ist auch Vizepräsident des German-Russian Institute of Advanced Technologies (GRIAT) in Kasan. Foto: wr

Die Gründung einer deutsch-russischen Universität in Kasan  ist ein gemeinsames Projekt der TU Ilmenau und der TU Magdeburg auf der einen Seite sowie der Autonomen Russischen Republik Tatarstan und der Russischen Föderation auf der anderen Seite. Dazu sagte der Rektor der TU Ilmenau, Professor Peter Scharff: „Diese Gründung eröffnet eine neue Dimension unserer internationalen Zusammenarbeit. An deutsch-russischen Fakultäten sind wir in Moskau und zweimal in Sankt Petersburg beteiligt. Nun geht es aber um eine ganze Universität, die in der Zukunft das gesamte Portfolio einer klassischen Technischen Universität bieten wird.“

Der 1. September ist der offizielle Gründungstermin für die deutsch-russische Universität in Kasan. Sie wird die Bezeichnung German-Russian Institute of Advanced Technologies (GRIAT) tragen. Die Internationalität, die dem Projekt nach den Worten des Rektors inne wohnt, zeigt sich nicht nur im Namen der Einrichtung, sondern auch in der Verkehrs- und Vorlesungssprache. Diese wird weder deutsch noch russisch sein, sondern englisch.

Die vier Studiengänge, mit denen die neue Universität in Kasan den Vorlesungsbetrieb aufnimmt, stammen je zur Hälfte aus Ilmenau und Magdeburg. Den Studiengang Kommunikations- und Signalverarbeitung bringt die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Ilmenau ein. Professor Martin Haardt, Leiter des Fachgebiets Nachrichtentechnik, ist hierbei federführend. Der Studiengang Informatik und Systemtechnik wird von der Fakultät für Informatik und Automatisierung der TU Ilmenau eingebracht. Betreut wird dieser vom Dekan der Fakultät, Professor Kai-Uwe Sattler. Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg beteiligt sich mit den Studiengängen Elektrotechnik und Informationstechnologien sowie Chemie-und Energietechnik. Bereits im kommenden Jahr könnten zumindest von Ilmenauer Seite Erweiterungen erfolgen. Ein automobiltechnischer sowie ein weiterer elektrotechnischer Studiengang sind geplant.

Mit zunächst vier Studiengängen wird also das German-Russian Institute of Advanced Technologies am 1. September starten. Geplant ist ein Ausbau auf 14 Studiengänge. Am Ende soll die Einrichtung rund 300.000 Studierende aufnehmen. Ein Gebäude mit einer Nutzfläche von 20.000 Quadratmetern wurde von der Autonomen Republik Tatarstan gewissermaßen als Vorleistung errichtet. Die Tupolew-Universität in Kasan nannte Professor Scharff als „Mutter des Ganzen“ auf russischer Seite. Auf deutscher Seite sind es vorerst die TU Ilmenau und die TU Magdeburg, die sich bei der Gründung in Kasan engagieren.

Anfangs wollten sich noch weitere deutsche Hochschulen an dem Projekt beteiligen, doch seien diese aus unterschiedlichen Gründen wieder abgesprungen, sagte der Rektor. Dennoch ist er optimistisch, weitere Partner gewinnen zu können. So habe sich die TU Chemnitz noch nicht zur Teilnahme entschieden. Interessiert sei die TU Clausthal, die er angesprochen habe. Scharff: „Wenn die Universität erst einmal läuft, bin ich sicher, dass sich noch weitere technische Universitäten mit Studiengängen einbringen wollen.“

Dass auch die Finanzierung  gesichert ist, ist für Professor Scharff die entscheidende Voraussetzung für den Erfolg des Projekts. Russland und die autonome Republik steuern etwa 5.5 Millionen Euro bei. Auf deutscher Seite kommen 600.000 Euro vom Deutschen Akademischen Austauschdienst hinzu. Ebenso gibt es bereits einen Präsidenten und einen Vizepräsidenten. Präsident ist der Rektor der Tupolew-Universität in Kasan, Professor Albert Gilmutdinow. Vizepräsident ist der Rektor der TU Ilmenau, Professor Peter Scharff.

Die deutsch-russische Universität soll aber nicht nur als reine akademische Bildungseinrichtung etabliert werden. Auch Forschung wird dort betrieben. So waren bereits jetzt fünf Forschergruppen aus Kasan in Ilmenau. Ausgesprochen gut seien deren Ergebnisse gewesen. Alles das soll keine Einbahnstraße sein. Ausdrücklich ist erwünscht, dass deutsche Studierende nach Kasan gehen, um dort einen Doppelmaster abzuschließen. Vorgesehen sind übrigens nur Masterabschlüsse und Promotionen. Den Bachelor müssen die Bewerber mitbringen. Peter Scharff unterstrich, dass es unter den Bewerbern eine Auswahl geben wird, um am Ende erfolgreiche Studienabschlüsse zu schaffen.