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Mit einem angenehmen Umfeld die Bindung der Mitarbeiter an ihren Arbeitsplatz erhöhen

Eine Befragung der IHK Südthüringen zeigt: Arbeitgeber aus dem Ilm-Kreis wollen ihre Attraktivität steigern, um im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen zu können.

IHK Südthüringen: Besonders Unternehmen aus dem Ilm-Kreis versuchen Mitarbeiter durch attraktive Arbeitsbedingungen längerfristig zu binden. Foto: wr

Mitarbeiter finden und die gefundenen Mitarbeiter langfristig binden – das ist für viele Unternehmen im Ilm-Kreis das Motto. Eine Befragung der Industrie- und Handelskammer Südthüringen (IHK) zeigt: Die Arbeitgeber aus dem Ilm-Kreis wollen ihre Arbeitgeberattraktivität steigern, um auf diese Weise im Wettbewerb um Fachkräfte zu bestehen. Erheblich stärker als in den anderen Südthüringer Landkreisen setzen sie auf eine hohe Arbeitsplatzqualität, Lohnsteigerungen und ein angenehmes Betriebsklima.

68 Prozent der Unternehmen versuchen mit Arbeitgeberattraktivität zu punkten, wenn es um Fachkräfte geht. 57 Prozent sind es in Südthüringen insgesamt. Damit ist der Ilm-Kreis der Südthüringer Landkreis, in dem mehr Unternehmen als anderswo versuchen, mit einem angenehmen Umfeld die Bindung der Mitarbeiter an ihren Arbeitsplatz zu erhöhen.

Im Ilm-Kreis expandiert die Wirtschaft

Hierzu besteht Notwendigkeit, da die Wirtschaft im Ilm-Kreis expandiert. Nach den neuesten Daten aus der amtlichen Beschäftigtenstatistik nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen März 2016 und März 2017 um 615 Personen zu. Insbesondere in der Industrie, im Dienstleistungssektor und im Baugewerbe wurden neue Stellen geschaffen. Zugleich mehren sich die Sorgen vor der Markträumung. So berichten 63 Prozent der Unternehmen mit freien Stellen, dass zwischen der Ausschreibung und der Stellenbesetzung zwei Monate und mehr vergehen. 56 Prozent der Unternehmen betrachten Fachkräfteengpässe als Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen, erklärt: „Gleich drei Faktoren zwingen die Unternehmen zu vermehrter Personalsuche. 28 Jahre nach der Wiedervereinigung gehen zunehmend Mitarbeiter in den Ruhestand, die die Unternehmen nach der Wende mit aufgebaut haben. 71 Prozent der Unternehmen bezeichnen das altersbedingte Ausscheiden als Grund für ihre gegenwärtige Personalsuche. 37 Prozent benötigen außerdem Mitarbeiter, weil sich das Unternehmen vergrößert hat. 36 Prozent suchen hingegen Personal, weil auch andere Unternehmen Mitarbeiter einstellen und das bessere Angebot gemacht haben. Der Arbeitsmarkt bietet den Arbeitnehmern allerbeste Perspektiven, bereitet aber manchem Unternehmer Kopfzerbrechen.“

Anhaltende Fachkräfteengpässe sind mit Wachstumseinbußen verbunden

Solange sich Stellen nicht besetzen lassen, versuchen 76 Prozent der Unternehmen, die anfallenden Arbeiten auf die vorhandene Belegschaft umzuverteilen. Dies gerät schnell an Grenzen. Daher müssen 53 Prozent entweder ihr Angebot einschränken oder Aufträge ablehnen. Für 51 Prozent der Unternehmen steht daher fest, dass anhaltende Fachkräfteengpässe mit Wachstumseinbußen verbunden sind.

Dr. Pieterwas warnt: „Die Katastrophe tritt ein, wenn in Boom-Zeiten Unternehmen zu schrumpfen beginnen, weil sie zu wenige Mitarbeiter finden. So weit ist es zwar noch nicht, aber unsere Unternehmen schlagen der Politik zur Vorbeugung eine dreiteilige Strategie vor: Erstens muss die Qualifikation der Schulabgänger verbessert werden, weil jeder einzelne für den Arbeitsmarkt gebraucht wird. Zweitens sind Politik und Gesellschaft in der Pflicht, den Ilm-Kreis zum Leben und Arbeiten attraktiver zu machen. Es gilt, bestehende Angebote besser zu vermarkten und zugleich die weichen Standortfaktoren zu verbessern. Drittens muss die berufliche Bildung weiter gestärkt werden.“

Berufsorientierung auch auf Gymnasien ausdehnen

Stärkung berufliche Bildung heißt vor allem, dass die Berufsorientierung endlich auch auf die Gymnasien ausgedehnt wird. Angesichts einer Wirtschaftsstruktur, der den Facharbeiter in den Mittelpunkt stellt, sollten die Perspektiven einer dualen Berufsausbildung bereits in den Schulen besser vermarktet werden.

Im Ilm-Kreis gibt es derzeit etwa 38.000 Arbeitsplätze. 36 Prozent dieser Arbeitsplätze gehören zur Dienstleistungswirtschaft, 33 Prozent zur Industrie und 12 Prozent zum Handel. Die Beschäftigungsquote des Landkreises liegt mit 60,2 Prozent deutlich über dem deutschen Durchschnitt von 57,3 Prozent. Auch mit einer Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent steht der Landkreis gut da. Im deutschen Durchschnitt ergeben sich derzeit 5,3 Prozent, die niedrigste Arbeitslosenquote gibt es mit 1,3 Prozent in Eichstätt, die höchste mit 13,8 Prozent in Gelsenkirchen.