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Regionalkonferenz: Wie sichert eine Region den Fachkräftebedarf der Zukunft?

Am kommenden Donnerstag findet von 9 bis 16 Uhr die Regionalkonferenz der Technologie Region Ilmenau Arnstadt in der Stadthalle Arnstadt statt. „Wie sichert eine Region den Fachkräftebedarf der Zukunft“ lautet das Thema.

 

 

 

Die Potenziale der Region werden anhand einer Auswertung des „Prognos Zukunftsatlas 2010“ vorgestellt, ein Vortrag widmet sich der Sicht der Unternehmer auf die Fachkräftesicherung und der Thüringer Minister  für Wirtschaft, Arbeit und Technologie, Matthias Machnig, spricht zur strategischen Ausrichtung der wirtschaftlichen Entwicklung im Freistaat unter besonderer Beachtung einer langfristigen Fachkräftesicherung. Zwei Workshops dienen der thematischen Vertiefung. Tagungsleiter ist der Landrat des Ilm-Kreises, Dr. Benno Kaufhold.
Das Regionalmanagement Ilm-Kreis wird im Auftrag des Landkreises durch die Technologiegesellschaft Thüringen mbH &Co KG umgesetzt. Zu Themenstellung und Intention der Regionalkonferenz sprach tria-online mit Regionalmanager Karl-Heinz Schmidt, der die Konferenz wesentlich initiiert und organisiert hat.

tria online: Viele Unternehmen können bereits jetzt ihren Bedarf an Fachkräften nicht mehr decken. In den kommenden Jahren wird die demografische Entwicklung die Situation weiter verschärfen. Hinzu kommen grundlegende Veränderung in der Förderlandschaft nach 2013 und die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU, die seit dem 1. Mai diesen Jahres gilt, deren Auswirkungen wir wohl erst nach einiger Zeit spüren werden. Muss also jetzt bald etwas unternommen werden, um diesem Trend entgegenzuwirken?

Karl-Heinz Schmidt: Ja das ist dringend geboten. Deswegen ist die Regionalkonferenz der Technologie Region Ilmenau Arnstadt diesmal ausschließlich diesem Themenkomplex gewidmet. Es geht darum, Wirtschaft, Politik, Verwaltungen und die unterschiedlichsten Ausbildungsträger zusammenzubringen. Wir müssen die Situation klar analysieren, Schlussfolgerungen ziehen und am Ende Ziele definieren, die wir gemeinsam erreichen wollen. Grundsätzliches Ziel muss es sein, das System der Fachkräftesicherung an die aktuelle Situation anzupassen oder ein völlig neues zu schaffen.

tria online: In welche Richtung könnte ein solcher Prozess führen, wenn es überhaupt gelingt, ihn in Gang zu setzen?

Karl-Heinz Schmidt: Es muss gelingen diesen Prozess der gemeinsamen Problemlösung in Gang zu setzen, sonst sind die Folgen fatal. Es käme wohl zu einer weiteren Fachkräfteabwanderung. Und irgendwann später werden dieser Abwanderung von Menschen zwangsläufig Unternehmen, ja ganze Branchen nachfolgen. Das kann sich kein Land leisten. Wir wollen nicht warten, bis der Leidensdruck so groß ist, dass wir dann den Problemen nur noch hinterherlaufen können.

tria online: Was kann man also tun? Müssen sich vor allem die Unternehmen stärker bewegen?

Karl-Heinz Schmidt: Zunächst sind natürlich die Unternehmen selbst gefragt. Sie müssen mittelfristig ihren Bedarf an Fachkräften einmal deutlich formulieren. Sie müssen gegebenenfalls ein System der kooperativen Selbsthilfe entwickeln in Zusammenschlüssen oder innerhalb bestehender Cluster. Und die Unternehmer müssen bereit sein, eventuelle neue Organisationsformen der Fachkräftesicherung inhaltlich und vor allem finanziell mit zu tragen. Wir wissen, dass Unternehmen sehr flexibel handeln können, wenn es erforderlich ist. Zumal es in Unternehmen und in Industrieclustern bereits Ansätze zu neuen Formen der Fachkräftesicherung gibt, rechne ich hier mit einer positiven Entwicklung. Ich kann hier nur dazu aufrufen: Ran an die Zielgruppe – Unternehmer in die Selbstverpflichtung! Schulpartnerschaften und Kooperationen bieten Unternehmen die Möglichkeit, sich frühzeitig in den Köpfen ihrer potenziellen Nachwuchsfacharbeiter zu verankern.


tria online: Und wie sieht es bei den anderen Partnern aus, die vielleicht über weniger flexible Entscheidungsstrukturen verfügen?

Karl-Heinz Schmidt: Eine wichtige Rolle kommt Bildungseinrichtungen von den Universitäten bis zu Berufschulen und Weiterbildungsinstituten zu, die sehr wohl in der Lage sind, stärkeren Einfluss auf ihre Absolventen zu nehmen bei der Entscheidung für einen künftigen Arbeitsort. Hier müssen Anreize entwickelt werden. Nicht zuletzt gewinnen die so genannten „weichen Standortfaktoren“ immer größere Bedeutung bei der Entscheidung für oder gegen einen Arbeits- und Lebensort. Hier ist die Politik zuständig, und hier müssen die Verwaltungen  beginnen, auf ihre strikten Kompetenzgrenzen zu verzichten und sich mehr als bisher mit Unternehmen und Bildungseinrichtungen abstimmen.

tria online: Brauchen denn Hochschulen oder andere Bildungsträger besondere Anreize um sich stärker daran zu beteiligen, gute Absolventen in Thüringer Unternehmen zu lenken?

Karl-Heinz Schmidt: Für die Hochschulen, ist es nicht relevant, wie viele Absolventen in Thüringen einen Job annehmen. Im Gegenteil: Absolventen, die in international renommierten Unternehmen und Forschungseinrichtungen platziert werden können, stärken natürlich das Ansehen der Hochschulen und werden folglich viel intensiver unterstützt. Da bedarf es schon spezifischer Anreize, um dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen. Das gilt in abgewandelter Form auch für alle anderen Bildungseinrichtungen.

tria online: An welche Anreize denken Sie dabei?

Karl-Heinz Schmidt: Hier geht es insbesondere um Anreize zur Vergabe von Bachelor- und Masterarbeiten mit Themen aus Thüringer Unternehmen. Für die Hochschulen sind diese eher praxisorientierten Arbeiten in der Regel mit einem höheren Betreuungsaufwand verbunden. Das führt dazu, dass Bachelor-  und Masterarbeiten mit Themen aus Thüringer Unternehmen weniger präferiert werden.

tria online: Und wo sind besonders Politik und Verwaltungen gefordert?

Karl-Heinz Schmidt: Für Fachkräfte, besonders für die, die aus vielen Angeboten auswählen können, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf („Work-Life-Balance“) von wachsender Bedeutung. Hier müssen Politik und Verwaltungen auch über Kreisgrenzen hinweg an einem Strang mit den Unternehmen der Region ziehen. Kindereinrichtungen, deren Betreuungsangebote dem tatsächlichen Bedarf entsprechen, gilt es ebenso vorzuhalten wie hochwertige Schulen in einem gut strukturierten Schulnetz. Weitere Stichworte sind Lebens- Wohn- und  Einkaufsbedingungen, Freizeit- und Sportmöglichkeiten sowie Infrastruktur mit guter Verkehrsanbindung. Es gilt, die Problemfelder in Ihrer Gesamtheit zu betrachten, ihre vernetzte Wirkung zu verstehen und entsprechende Ziele und Handlungsoptionen gemeinsam zu definieren.

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Anlauffoto: Regionalmanager Karl-Heinz Schmidt. Foto: wr