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Unternehmensstart mit kinzoku und kakushin sowie einer neuen Arbeitsphilosophie

Neugründungen hat es in den zurückliegenden Jahren nicht eben häufig gegeben. Arnstadts Bürgermeister hatte die Möglichkeit, ein ganz junges Unternehmen zu besuchen.

Firmengründer Robert Fuhrmann (Mitte), stellte Arnstadts Bürgermeister Alexander Dill (l.) und seiner ehrenamtlichen Beigeordneten Martina Lang, eines seiner ersten Produkte, einen Umluftaufsatz, vor. Foto: wr

In Arnstadt gibt es viele Unternehmen, zum Teil auch recht große. Aber echte Start ups, die gerade erst ihren Weg beschritten haben, blieben recht rar in den vergangenen Jahren. Nun hatte Bürgermeister Alexander Dill die Möglichkeit die kingago GmbH & Co. KG kennen zu lernen. Der 24. Januar dieses Jahres war der Gründungstag und Robert Fuhrmann der Gründer. Der Firmenname ist ein Kunstwort, das aus dem Japanischen entlehnt ist und eine Verbindung zwischen den japanischen Worten für Metall, kinzoku, und Innovation, kakushin, schaffen soll. Der japanischen Kultur ist der Gründer eng verbunden. Er hatte die Möglichkeit, diese als Mitarbeiter von Bosch bei seiner Tätigkeit in dem fernöstlichen Land kennenzulernen.

Technische Probleme lösen und Anlagen fertigen

Der Metallverarbeitung widmet sich dieses noch ganz junge Unternehmen in der Gesamtheit von Entwickeln, Konstruieren und Fertigen. Mit seinem Partner Tobias Müller verbindet Fuhrmann Metallverarbeitung mit Hydraulik, Pneumatik und Elektrik zu innovativen Produkten, die in der Industrie, im Bauwesen und der Gebäudetechnik benötigt werden. Er sagte dazu: „Wir wollen für unsere Kunden technische Probleme lösen. Für uns bedeutet das, zunächst einmal zuzuhören und zu verstehen, um dann auch kompetent beraten zu können.“ Die beiden lernten sich bei dem Stahlverarbeiter Avermann kennen und schätzen. Dabei entstand die Idee zur Gründung, die seit August 2017 immer mehr an Gestalt gewann.

An dem Besuch nahmen neben dem Bürgermeister seine ehrenamtliche Beigeordnete Martina Lang, zugleich Leiterin der Geschäftsstelle Arnstadt der Agentur für Arbeit, und Jörg Neumann, Abteilungsleiter Wirtschaftsförderung der Stadt Arnstadt, teil. Die Gäste konnten sich dabei nicht nur über die geschäftliche Entwicklung der Firma informieren, sondern erhielten auch einen Einblick in das Konzept des Gründers, eine nicht weit verbreitete Arbeitsphilosophie umzusetzen. Die künftigen Beschäftigten sollen nicht wie zumeist in der Industrie üblich, als reine Empfänger von Anweisungen ihrer Arbeit nachgehen, sondern an der Gestaltung des Arbeitsprozesses, der Auftragsabwicklung, ja an der Entwicklung des gesamten Unternehmens teilhaben.

Menschliche Arbeitswelt ohne hierarchische Strukturen

Transparenz bis in die Firmenstrategie und die finanziellen Zusammenhänge verspricht der Unternehmer seinen künftigen Beschäftigten: „Mir geht es darum, eine wirklich menschliche Arbeitswelt zu schaffen, in der hierarchische Strukturen nicht die Entfaltung der Kreativität der Mitarbeiter abblocken. Wertschätzung und Achtung des Einzelnen sind besser geeignet Fähigkeiten freizusetzen und erfolgreich zu sein.“ Insofern sieht sich Fuhrmann eher als Unternehmensstifter. Bürgermeister Dill wandte ein, dass zu einer solchen Arbeitswelt immer Zwei gehören: „Der eine ist der Unternehmer, der dieser Form der Zusammenarbeit etabliert, der andere ist der Arbeitnehmer, der das eher nicht gewöhnt ist und damit zurecht kommen muss.“ Fuhrmann sagte, dass es immer noch viele Leute gäbe, die lieber nach Anweisung arbeiten. Er setze darauf, dass die Zahl derer, die selbstständig in einem transparenten Umfeld arbeiten möchten weiter zunimmt.

Bis jetzt müssen Robert Fuhrmann und Tobias Müller die anstehenden Geschäfts- und Arbeitsprozesse noch selbst lösen und die Überlebensfähigkeit sichern. Geplant ist aber eine Entwicklung in den kommenden fünf Jahren, die zur Beschäftigung von zehn bis 15 Mitarbeitern führt. Wie weit das erreichbar ist, hängt von künftigen Aufträgen ab. Die ersten konnten mit Erfolg abgeschlossen werden. Grade eben wurde ein Umluftaufsatz für eine gebäudetechnische Anlage fertiggestellt. Momentan arbeiten Fuhrmann und Müller an der Entwicklung eines innovativen Hebezeugs für die Bauindustrie, das eine Ein-Mann-Bedienung ermöglichen soll. Für die Zukunft seines Unternehmens sieht der Gründer im Bereich Rationalisierung für Handwerk und Industrie große Potenziale. Angesichts einer immer schwerer zu deckenden Nachfrage nach Fachkräften bestehe ein hoher Bedarf Arbeit zu erleichtern und diese effektiver zu gestalten.