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Blähglasgranulat macht neue Baumaterialien mit herausragenden Eigenschaften möglich

Beim jüngsten Betriebsbesuch in der Liaver GmbH & Co. KG konnten sich Landrätin Petra Enders und Ilmenaus Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber von dem enormen Innovationspotenzial der Liaver-Produkte überzeugen.

Rundgang durch die Fertigungshallen der Liaver GmbH & Co. KG: (v.l.) Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber, Liaver-Geschäftsführer Ronald Tschiersch und Landrätin Petra Enders. Foto: wr

Den Anlass für den Besuch in der Liaver GmbH & Co. KG bot eine Neuinvestition des Unternehmens in eine weitere Produktionshalle mit entsprechender Fertigungstechnik für die Herstellung eines neuen Plattenwerkstoffes. Die Erweiterung war erforderlich geworden nachdem nach dem Brand des Londoner Grenfell Towers, der auf entflammbare Dämmstoffe zurückzuführen war, ein völlig neuer Bedarf an nicht brennbaren Dämmplatten entstanden war. Liaver-Geschäftsführer Ronald Tschiersch sagte dazu: „Seit dem Brand in London stehen bei uns die Telefone nicht mehr still. Die Nachfrage nach unseren Dämmwerkstoffen aus Blähglasgranulat ist enorm gewachsen. Das liegt daran, dass diese absolut nicht brennbar sind.“

Architekten und Anwender schätzen Ilmenauer Blähglasgranulat

Selbst in der Bauwirtschaft war der Begriff „Blähglasgranulat“ lange Zeit wenig bekannt. Doch inzwischen schätzen immer mehr Architekten und Anwender in der Baustoffindustrie sowie in der Bauchemie die herausragenden Eigenschaften von Blähglasgranulaten, die von dem Ilmenauer Unternehmen unter der Marke Liaver hergestellt und vertrieben werden. Korngrößen von 0,1 bis vier Millimetern werden je nach Anforderung und Anwendung hergestellt. Selbst Korndurchmesser bis 16 Millimeter sind möglich. Das Blähglasgranulat ist leicht und druckfest, es ist absolut nicht brennbar und verfügt zugleich über hervorragende Eigenschaften zur Wärme- und Kältedämmung , es ist beständig gegen Säuren, Laugen und organische Lösungsmittel, es ist biologisch nicht angreifbar, frostbeständig und formstabil bis 750 Grad. Zudem ist der Werkstoff ungiftig und völlig schadstofffrei.

Blähglasgranulat wird in einem Sinterprozess aus gemahlenem Bruchglas hergestellt. Anwendung findet das Material in Dämmstoffen, im Leichtbeton und im Leichtlehm zur Anwendung im Denkmalschutz. Leichtbeton bekommt durch den Zusatz von Liaver-Granulat herausragende Eigenschaften in der Wärmedämmung, ebenso wird dadurch dessen Festigkeit erhöht, wodurch die Verarbeitung als Sichtbeton möglich wird. Architekten erhalten dadurch völlig neue Gestaltungsfreiheit, zumal die äußere Gebäudedämmung entfällt. Bisher gibt es solche Häuser zumeist in der Schweiz und den Niederlanden. In Deutschland werde jetzt erst damit begonnen, so zu bauen, weil stets Einzelzulassungen erforderlich waren.

Livaer-Akustikplatten vom Ilm-Kreis bis in die USA

Aus dem Granulat werden insbesondere spezielle Plattenwerkstoffe erzeugt. Diese dienen je nach Beschaffenheit für den Brandschutz in Gebäuden, aber auch im Schiffbau, für die Fassadendämmung, für den Leichtbau und für den Schallschutz. Hoch absorbierende Akustikplatten werden bei Liaver mit großem Erfolg hergestellt. Der Geschäftsführer stellte hierzu eine Reihe von Referenzobjekten vor, die von Gaststätten im Ilm-Kreis bis zu großen Projekten in den USA, in Australien und Europa reichen. Eine Neuentwicklung für raumakustische Installationen wird unter anderem für den Neubau des Axel-Springer Digitalcampus in Berlin gefertigt und geliefert. Für dieses Thema interessierte sich Landrätin Petra Enders ganz besonders, da nicht nur die Verbesserung der Raumakustik in Versammlungsräumen des Landratsamtes ein wichtiges Anliegen ist. Besonders in den Schulen des Ilm-Kreises bestehe hierzu ein großer Bedarf. Sie kündigte an, prüfen zu lassen, wo Livaer-Akustikplatten einsetzbar sind.

Ronald Tschiersch berichtete, dass in seinem Unternehmen großer Wert auf Forschung und Entwicklung gelegt werde: „Unser Erfolg beruht auf Innovationen und der Entwicklung neuer Baumaterialien auf der Basis von Blähglasgranulat.“ Mehrere eigene Labore und Kooperationen mit Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik oder der Bauhaus Universität Weimar sind dafür Voraussetzung. Die Entwicklung neuer Baustoffe erfolgt vor allen auch gemeinsam mit Industriepartnern, die diese schließlich selbst anwenden oder vertreiben.

Blähglas war zwar schon länger bekannt, doch das spezielle Blähglasgranulat für Baustoffe wurde Anfang der 1990er Jahre von drei Ilmenauer Ingenieuren entwickelt. Das Patent meldete die Ilmenauer Glaswerke GmbH an. Investoren aus Franken erwarben das Patent von der Treuhand mit der Auflage, Arbeitsplätze in Ilmenau zu schaffen. Heute beschäftigt die Liaver GmbH & Co. KG 45 Mitarbeiter. Derweil ist Tschiersch auf der Suche nach weiteren Arbeitskräften. Sowohl Ingenieure als auch Beschäftigte für die Produktion werden benötigt. Doch erweist sich diese Suche als zunehmend schwierig.