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TETRA und avateramedical wollen Schwergewicht zwischen Jena und Ilmenau bilden

Die TETRA Gesellschaft für Sensorik, Robotik und Automation mbH zählt zu den erfolgreichsten Ilmenauer Technologieunternehmen. Ilmenaus Oberbürgermeister besuchte die Firma.

Rundgang durch die TETRA GmbH beim Betriebsbesuch: (v.l.) avateramedica-Chef Marcel Seeber, TETRA-Geschäftsführer Andreas Wegner-Berndt, Bürgermeister Kay Tischer und Ilmenaus Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber. Foto: wr

Bei TETRA hat es im vergangenen Jahr erhebliche Veränderungen gegeben. Die Gründer, Olaf Mollenhauer und Dr. Alexander Karguth, haben das Unternehmen verkauft und wenden sich nun anderen Dingen zu. Vollständig übernommen wurde die TETRA Gesellschaft für Sensorik, Robotik und Automation mbH von der Jenaer avateramedical GmbH. Dieser noch relativ junge Entwickler von minimalinvasiven, robotisch assistierten Chirurgiesystemen war seit geraumer Zeit Kunde der TETRA GmbH. Über diese Geschäftsbeziehung trafen sich die Interessen der Gründer mit denen der avateramedical GmbH. Mitte des Jahres 2016 traten die Alt-Geschäftsführer Dr. Andreas Karguth und Olaf Mollenhauer aus der Gesellschaft aus. Seit September 2016 ist das Unternehmen zu 100 Prozent Tochtergesellschaft der avateramedical GmbH.

Am vergangenen Donnerstag trafen Ilmenaus Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber und Bürgermeister Kay Tischer den neuen TETRA-Geschäftsführer Andreas Wegner-Berndt sowie den Geschäftsführer der avateramedical GmbH, Marcel Seeber. Die Namensgleichheit führte die beiden Seebers am Rande des Gesprächs schnell zu ihren gemeinsamen Oehrenstöcker Wurzeln, jedoch ohne Verwandtschaft. Vor allem ging es aber um die weitere Unternehmensentwicklung von TETRA unter den neuen Bedingungen. Der Oberbürgermeister hob die große Innovationskraft der TETRA GmbH hervor, deren Entwicklung er von der Gründung an mit verfolgt und begleitet hat: „ Nach 1990 wurden in Ilmenau viele kleine, aber sehr innovative Unternehmen gegründet, die erfolgreich gewachsen sind und sich auch auf weltweiten Märkten etablieren konnten. TETRA ist dafür eines der herausragenden Beispiele.“

Marcel Seeber gab zunächst einige Erläuterungen zum Zustandekommen der Unternehmenskooperation und der späteren Übernahme. So hatte die 2011 gegründete avateramedical GmbH für ein Entwicklungsprojekt einen Partner mit hohen Kompetenzen auf dem Gebiet der Mechatronik gesucht. 2012 fand sie diesen in der TETRA GmbH. Dabei geht es um die Entwicklung eines chirurgischen Geräts für minimalinvasive Eingriffe, welches es dem Arzt ermöglicht, Operationshandlungen robotisch gestützt durchzuführen. Seeber betonte, dass es sich dabei nicht um einen Operationsroboter handelt, sondern um eine Anlage, die die außerhalb des Patienten ablaufenden Handbewegungen des Arztes unmittelbar auf die Instrumente am Ort der Operation überträgt. Qualifizierte Mechatronik und hoch präzise Verarbeitung nannte er dafür als wesentliche Voraussetzungen: „Bei TETRA waren wir damit an der richtigen Adresse und fanden in Dr. Karguth und Olaf Mollenhauer ideale Partner.“

Diese Kooperation habe das Entwicklungsprojekt sehr beflügelt, so Seeber, zumal mit Hilfe des neuen Partners sehr schnell ein Prototyp zur Verfügung stand, der wiederum die Zusammenarbeit mit Ärzten erleichterte. Im Verlauf der gemeinsamen Entwicklungsarbeit offenbarten Mollenhauer und Karguth ihre Absicht, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen und boten der avateramedical GmbH ihr Unternehmen zum Verkauf an. Marcel Seeber: „Für und bot sich damit eine große Chance, die Kompetenzen der beiden Unternehmen zu bündeln, zumal wir in der Lage waren, eine solche Übernahme zu finanzieren.“ Er unterstrich, dass avateramedical ein Schwergewicht zwischen Jena und Ilmenau werden soll, die TETRA GmbH aber als Gesellschaft mit ihrer ganzen, weltweit vermarktbaren Produktpalette eigenständig bleibt.

Die Produkte und das Unternehmen stellte TETRA-Geschäftsführer Andreas Wegner-Berndt den Gästen vor. Seit 1. Juli 2016 ist er der neue Geschäftsführer. Er war viele Jahre für den  Vertrieb bei ABS electronic Meiningen GmbH verantwortlich. Die TETRA bezeichnete er als „Kompetenzzentrum für Mechatronik“, in dem insbesondere die Komponenten Bewegung, Sensorik und Licht zusammengeführt werden. Sein Ziel sei es, die Kernkompetenzen Sensorik, Robotik und Automation weiter zu stärken. Als herausragende Produkte nannte er unter anderem ein Ellipsometer zur optoelektronischen Bestimmung der Qualität von Flugbenzin. Das Gerät wird für den US-Markt entwickelt. Es reduziert die Messdauer von bisher 80 auf 18 Minuten.

Wegner-Berndt hob auch den von TETRA entwickelten Nano 3D-Drucker hervor, mit dessen Hilfe auf dem Prinzip der Zwei-Photonen-Polymerisation unter anderem Nanostrukturen zur Beschleunigung des Knochenwachstums erzeugt werden können. Der größte Bereich des Unternehmens ist der Entwicklung und Herstellung von Produkten für die Tribologie gewidmet. Damit können Reibungs- und Verschleißkräfte gemessen werden. Dazu gehören auch Tribometer zur Messung von Reibungskräften auf Siliziumwafern und für Kolbenringe, beziehungsweise zur Wirksamkeit von Schmiermitteln. Eine Messplattform zur Messung sehr kleiner Kräfte ist vor allem in der Elektronik- und Uhrenindustrie gefragt. Schließlich wies der Geschäftsführer noch auf einen Nanopositionierer hin, der sehr schnelle und sehr genaue Positionierungen bei einer Messauflösung von 2,5 Nanometer ermöglicht.

2012 waren in der TETRA GmbH noch 30 Mitarbeiter tätig, bis heute ist die Zahl der Beschäftigten auf 68 angewachsen. Wegner-Berndt und Seeber sahen für die kommenden drei Jahre noch ausreichend Platz im bestehenden Firmengebäude. Danach könne es allerdings sein, dass Erweiterungen nötig werden. Oberbürgermeister Seeber wies darauf hin, dass das Gewerbegebiet „Ehrenberg-Ost“ das ideale Gebiet für technologieorientierte Unternehmen sei: „Dort ist momentan noch viel Platz in unmittelbarer Nähe zur TU Ilmenau.“ Er sagte zu, dass die Stadt Ilmenau auch die TETRA GmbH im Fall einer notwendigen Erweiterung unterstützen werde.