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Eine komplette ICE-Trasse mit wenigen Mausklicks optimieren

Die Ilmenauer Software-Service John GmbH hat für das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur eine Softwarelösung zur kompletten Planung von Eisenbahntrassen entwickelt.

Dirk-Hendrik John, Geschäftsführer Ilmenauer Software-Service John GmbH. Foto: wr

Die 1993 gegründete Software-Service John GmbH hat mit dem interaktiven Visualisierungsprogramm „VIS-ALL“ die Möglichkeit geschaffen, Planungsräume in einer 3D-Welt zu visualisieren, dazu Daten aus CAD-Programmen und Geoinformationssystemen zu integrieren und bauliche sowie landschaftsgestalterische Veränderungen zu simulieren. „VIS-ALL“ ist neben weiteren Softwarelösungen zu Geoinformation, Planung und Vermessung das zentrale Produkt der Software-Service John GmbH. Es bildet die Grundlage für ein komplexes Planungssystem, welches das Unternehmen für das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur (BMVI) entwickelt hat.

In Deutschland liegen rund 1000 Anträge zur Eröffnung von Eisenbahnstrecken vor. Das BMVI muss diese Anträge prüfen, eventuelle Baukosten ermitteln und die Wirtschaftlichkeit solcher Projekte untersuchen. Auch wenn die Bundesrepublik bereits über ein dichtes Schienennetz verfügt, werden immer wieder neue Strecken geplant, entweder als Erweiterung oder als reiner Neubau. Hier müssen dann umfangreiche und teilweise sehr aufwändige Planungen vorgenommen werden.

Mit dem Softwaremodul „3D-Trassenentwurf Schiene“ für das VIS-ALL-System hat die Software-Service John GmbH den Planern im Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur ein mächtiges Werkzeug in die Hand gegeben, um Planungsverfahren für unterschiedlichste Bahnprojekte deutlich zu vereinfachen. Dirk-Hendrik John, Geschäftsführer des Unternehmens, erläuterte dazu, dass die Software nicht nur in der Lage ist Planungen in viel kürzerer Zeit zu bewältigen, sondern auch die Präzision insbesondere bei der Baukostenermittlung zu erhöhen: „Bisher konnten die Baukosten nur geschätzt werden. Mit unserer Software ist es möglich, die Errichtung ganzer Bahnstrecken, Streckenabschnitte oder auch von Einzelbauwerken zu simulieren. Dabei werden auch Bauleistungen, Materialmengen und Erstellungskosten anhand hinterlegter Kennzahlen ermittelt. So hat der Planer selbst in einer frühen Phase seines Projekts die Kosten stets im Blick.“

Das System zeichnet sich durch enorme Flexibilität aus. In ein erfasstes Geländemodell kann eine Eisenbahnstrecke unter Beachtung aller planerischen Vorgaben „hineingeklickt“ werden. Auf dieser Basis wird errechnet, welche Erdmengen zu bewegen sind, wo welche Brücken, Tunnel und andere Bauwerke wie Bahnsteige, Weichen oder Stützmauern benötigt werden. Trassen und Bauwerke können jederzeit verschoben, das heißt die Strecke optimiert werden. Dazu werden in Echtzeit die Kosten festgestellt. Am Ende wird die Trassenplanung anhand eines Prüfdiagramms auf ihre Richtlinienkonformität überprüft. Dirk-Hendrik John betonte, dass dies alles auch zur Planung anderer Verkehrswege, zum Beispiel von Straßen, nutzbar ist.

Der Geschäftsführer würde dieses Produkt gerne in Länder verkaufen, in denen der Bau von Eisenbahntrassen bedeutsamer ist als in Deutschland. Südamerikanische Staaten, Russland oder China hat er dabei im Blick. Allerdings ist es schwierig, auf solchen Märkten Fuß zu fassen, weiß John: „Für uns als relativ kleines Unternehmen wird es erhebliche Anstrengungen erfordern, in anderen Ländern Kunden zu gewinnen. Wir sehen das als Herausforderung“

Mit dem Gesamtpaket „VIS-ALL“ der Software-Service John GmbH lassen sich außer der Planung von Verkehrswegen noch viele weitere Probleme lösen. Stadtplaner können ganze Stadtmodelle erstellen, Neubau oder Sanierungsvorhaben simulieren und sogar den unterirdischen Bauraum visualisieren sowie  in diesem Baumaßnahmen planen. Errichter von Windkraftanlagen können im Vorfeld prüfen, welche landschaftliche Wirkung von ihrem Vorhaben zu erwarten ist. Vor allem bietet eine Schlagschattenanalyse die Möglichkeit, Auswirkungen von Schatten auf bewohnte Gebiete zu unterschiedlichen Tageszeiten zu ermitteln. Weiter ist die Simulation technischer Anlagen sowie von Anlagen für den Hochwasserschutz möglich. Viele kommunale Bauämter, Vermessungs- und Planungsbüros nutzen bereits die vielfältigen Möglichkeiten von „VIS-ALL“, um ihre Arbeit zu optimieren.