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TU Ilmenau erhielt mehrere Goldmedaillen auf Erfindermesse

Ein Team um Professor Lena Zentner wurde für die Erfindung „Adaptiver Elektrodenträger zur Insertion eines Cochlea-Implantat-Elektrodenträgers“ ausgezeichnet.

Für das Forscherteam der TU Ilmenau und der Medizinischen Hochschule Hannover nahmen Silke Hügl und Stefan Griebel die Goldmedaille aus den Händen von iENA-Chef Henning Könicke (l.) entgegen. Foto: wr

Bei Innenohrschwerhörigkeit liegt oft eine Beeinträchtigung der Funktion der Haarzellen in der mit Flüssigkeit gefüllten „Cochlea-Schnecke“ vor. Konventionelle Hörgeräte sind dann, je nach Grad der Schädigung, kaum in der Lage, die Einschränkungen zu verringern. Für diese Form der Schwerhörigkeit werden Cochlea-Implantat-Systeme mit Elektrodenträger eingesetzt. Ein Team junger Wissenschaftler des Fachgebiets Mechanismentechnik an der Fakultät für Maschinenbau der TU Ilmenau hat in Zusammenarbeit mit der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover für die Implantation ein Verfahren und einen Elektrodenträger entwickelt, mit dessen Hilfe verhindert wird, dass die feinen Innenohrstrukturen verletzt werden.

Unter der Leitung von Professor Lena Zentner, Leiterin des Fachgebiets Mechanismentechnik an der TU Ilmenau, haben Stefan Griebel, Silke Hügl, Thomas Rau, Clemens Wystup sowie Professor Thomas Lenarz und Dr. Omid Majdani, Medizinische Hochschule Hannover, einen adaptiven Elektrodenträger entwickelt, mit dem eine schonende Implantation in die Cochlea gelingt. Silke Högl und Stefan Griebel erläuterten ihre Erfindung, die auf der Internationale Fachmesse „Ideen – Erfindungen – Neuheiten“ iENA 2015 in Nürnberg mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde, in der Auszeichnungsveranstaltung an der TU Ilmenau. Sie betonten, dass die besondere Herausforderung bei der Entwicklung darin bestanden habe, dass eine gezielte, ortsdifferenzierte Anpassung der Krümmung des Elektrodenträgers an die Cochlea ermöglicht werden musste. Außerdem war zu sichern, dass der Elektrodenträger an der Innenwand der spiralförmigen Cochlea seine Endlage finden kann.

Das Team hat in dem Entwicklungsprojekt eine Lösung gefunden, die diesen Anforderungen gerecht wird. Dabei wurde ein Elektronenträger erfunden, der aus einem hoch elastischen Silikonmaterial besteht. Dieses Material kann reversibel geformt werden. Der Elektrodenträger mit einen verschiebbaren Stilett ist im Inneren mit einem biegeschlaffen Faden und einem Hohlraum versehen. Über letzteren kann der Innendruck während der Insertionsbewegung in die Cochlea gesteuert werden. Damit ist es möglich, die Krümmung des Elektrodenträgers aktiv zu steuern. Zugleich wird so die Relativbewegung zwischen Stilett und Elektrodenträger gesteuert.

Der Vorteil des adaptiven Elektrodenträgers gegenüber herkömmlichen Verfahren liegt insbesondere in der Anpassung an den individuellen Krümmungsverlauf in der Cochlea. So können die auf die Cochlea wirkenden Kräfte deutlich verringert und die Gefahr der Verletzung der dünnen Knochenlamelle im Innenohr verringert werden. Das Team hat Funktionsmuster erarbeitet, von denen eines auf der Messe in Nürnberg zu sehen war. Das Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG finanzielle unterstützt, wofür sich die Erfinder bedanken.