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Die Tugend der Fakultät: Tradition bewahren und Neues schaffen

Es war ein großer Tag für die Fakultät für Maschinenbau der TU Ilmenau: Mit einer Festveranstaltung beging sie ihr 60-jähriges Bestehen.

60 Jahre Fakultät für Maschinenbau im Audimax: (v.l.) Prodekan Professor Stefan Sinzinger, Rektor Professor Peter Scharff, Organisator der Jubiläumsfeier Professor René Theska, sowie Professor Christian Weber, Dekan der Fakultät für Maschinenbau. Foto: wr

Ein großer Tag zog ein großes Programm nach sich, das einem großen Publikum von mehr als 400 Gästen gewidmet war. Die Festveranstaltung im Audimax der Ilmenauer Universität offenbarte insbesondere die weitreichenden internationalen Kontakte der Fakultät für Maschinenbau. Sie führte die Gäste in die Geschichte der Fakultät, die auf besondere Weise mit dem Namen Professor Werner Bischoffs verbunden ist. Sie zeigte ebenso die intensive Zusammenarbeit mit Carl Zeiss in Jena auf und bot nicht zuletzt einen Blick in die Möglichkeiten, Wissenschaft im Weltraum zu betreiben. Organisiert wurde die Festveranstaltung von Professor René Theska, Leiter des Fachgebiets Feinwerktechnik. Moderator war Professor Stefan Sinzinger, Leiter des Fachgebiets Technische Optik.

Es gab drei große Festvorträge: Der Historiker Dr. Franz Rittig ließ auf eindrucksvolle Weise die Gründungsjahre der Hochschule für Elektrotechnik Ilmenau und der Fakultät für Feinmechanik und Optik mit dem Wirken von Professor Hans Stamm als Gründungsrektor und Professor Werner Bischoff als Gründer der Fakultät für Feinmechanik und Optik vorüberziehen. Fundiert und detailreich vollzog er den nicht immer leichten, doch stets vom Forscherdrang der Wissenschaftler getriebenen Weg der Fakultät für Maschinenbau und ihrer Vorgänger bis zu ihrem heutigen Stand als Keimzelle von Hochtechnologien nach. Wilfried Lang, Leiter des Geschäftsbereichs Planetarien der Carl Zeiss AG, stellte in seinem Vortrag die einzigartige Verbindung von Optik und Mechanik im Jenaer Planetariumsprojektor vor. Schließlich sprach der Physiker und ehemalige Astronaut Dr. Ulf Merbold zum Thema „Wissenschaft im Weltraum.

Nach der musikalischen Einführung durch das Kammerorchester der Musikschule Arnstadt-Ilmenau unter der Leitung von Christoph Hempel, gab es zunächst jedoch Begrüßungsansprachen des Rektors der TU Ilmenau, Professor Peter Scharff, und des Dekans der Fakultät für Maschinenbau, Professor Christian Weber. Der Rektor hob vor allem die weltweite Spitzenstellung der Universität hervor, die gerade von Wissenschaftlern der Fakultät erreicht wurde. Professor Weber wies auf die Verwurzelung der Ilmenauer Maschinenbauer in ihrer wissenschaftlichen Tradition hin, die aber stets darauf gerichtet sei, Neues zu schaffen. Er bezeichnete dies als die Tugend der Fakultät. Im Anschluss gaben die Grußadressen unterschiedlichster Wissenschaftler, die aber alle mit der Fakultät für Maschinenbau eng verbunden sind, einen Einblick in die eindrucksvolle Internationalität, die die Ilmenauer Maschinenbauer stets gepflegt haben.

Das erste Grußwort hielt Professor Werner Krause, emeritierter Professor für Feinwerktechnik an der TU Dresden. Er hob insbesondere die kollegiale und fruchtbringende Zusammenarbeit zwischen Dresden und Ilmenau hervor, die, wie er sagte, auf Ilmenauer Seite besonders von den Professoren Manfred Schilling, Günter Höhne und Hans-Jürgen Schorcht geprägt war. Dabei habe man viele noch heute gültige Forschungsergebnisse gewonnen, und es seien in gemeinsamer Arbeit zahlreiche Lehrbücher entstanden. International wurde es dann schon mit Professor Antal Huba von der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest. Der TU Ilmenau rechnete er hoch an, dass diese nach 1990 nicht nur die neuen Partner im Westen gepflegt hat, sondern auch die langjährigen Ostpartnerschaften nicht vergessen hat. Huba studierte in Dresden bei Professor Krause. Vor 40 Jahren war er als junger Assistent erstmals in Ilmenau um die Partnerschaft zwischen den beiden Hochschulen zu vertiefen.

Professor Walter Lindolfo Weingärtner zeigte im Rahmen seiner Grußadresse Bilder aus seiner Heimat Florianopolis im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina. An der dortigen Universidade Federal de Santa Catarina ist er Professor für Maschinenbau. Mit der TU Ilmenau verbindet ihn eine lange Zusammenarbeit und Freundschaft, die bereits in den 1980er Jahren mit Professor Günter Höhne begann. Dieser wirkte als Gastprofessor an der brasilianischen Universität. Weingärtner erzählte, wie Höhe von Anfang an seine Vorlesungen auf Portugiesisch hielt, auch wenn er die Sprache noch nicht perfekt beherrschte. Heute arbeitet Weingärtner mit Professor René Theska zusammen.

Es folgten weitere Grußworte von Professor Mohammed Bouafia, Université de Setif in Algerien, Professor Petri Kuosmanen, Aalto University in Helsinki Finnland, Professor Svyatoslav Latyew von der Saint Petersburg State University of Information Technologies, Mechanics and Optics in Russland. Weiter sprachen Professor Nenad T. Pavlovi?, Universität Niš in Serbien sowie Professor Jorge Rodriguez Hernández von der Pontificia Universidad Católica del Perú und Dr. Luciano Selva Ginani, der in Ilmenau studiert hat und nun in Traunstein tätig ist. Sie alle hielten ihre Ansprachen in sehr gutem Deutsch und brachten ihre Verbundenheit mit der Fakultät für Maschinenbau zum Ausdruck.

Als letzter in diesem Reigen sprach Dr. Udo Henkel von der HENKEL + ROTH GmbH Ilmenau, die 1990 unmittelbar aus der Fakultät ausgegründet wurde. Henkel schilderte, wie er gemeinsam mit seinem Geschäftspartner, am Tag nach dem Mauerfall den Entschluss fasste, ein Unternehmen zu gründen. Beide waren damals Mitarbeiter der TU Ilmenau und konnten ihre Erfahrungen in der Entwicklung und Konstruktion von Geräten und Maschinen einbringen. Sie gehörten zu den ersten Gründern einer GmbH in Ilmenau. Die HENKEL + ROTH GmbH hat sich erfolgreich entwickelt. Das Unternehmen bietet Lösungen im Bereich der Robotik, des Sondermaschinenbaus und komplexer Automatisierungssysteme. Bis heute, so Udo Henkel, ist die Firma der Fakultät Maschinenbau eng verbunden und pflegt mit dieser eine intensive Zusammenarbeit.

Am Ende der Festveranstaltung überreichten Professor Klaus Zimmermann, Vorsitzender der Forschungsgemeinschaft Gerätetechnik e.V., und Dr. Andreas Karguth, einer der beiden Geschäftsführer der Ilmenauer TETRA GmbH sowie Mitglied der Forschungsgemeinschaft, den Gerhard-Bögelsack-Förderpreis an Dr. Felix Becker. Dieser hatte 2015 seine Promotion mit dem bestmöglichen Prädikat „summa cum laude“ abgeschlossen. Das Thema der Arbeit lautet „Zur Mechanik vibrationsgetriebener Roboter für terrestrische und aquatische Lokomotion“. Felix Becker verkörpert in idealer Weise die Persönlichkeit eines jungen Wissenschaftlers, der sich im Bögelsackschen Sinne sowohl in Lehre als auch Forschung auf dem Gebiet der Mechanismentechnik engagiert und hervorragendes leistet. Im Rahmen seiner Promotion hat er ein Teilstudium in Russland absolviert.

Gerhard Bögelsack (1932 bis 2011) war Professor für Getriebetechnik und 1968 bis 1972 Dekan der Fakultät für Maschinenbau. Er hat sich unter anderem in der International Federation for the Promotion of Mechanism and Machine Science (IFToMM) große Verdienste erworben und ist durch zahlreiche Publikationen zu Forschung und Lehre international bekannt geworden. Er hat auch die Verbindung zur Universität in der serbischen Stadt Niš (damals Jugoslawien) aufgebaut.