EN
DE

„Die Mitarbeiter sind unser ganzer Reichtum. Doch dieser schwindet immer mehr“

Die Trautmann GmbH, auf dem Arnstädter Gewerbegebiet Nord, ist mit 30 Mitarbeitern auf den Geschäftsfeldern Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro tätig.

Unternehmensbesuch in der Trautmann GmbH Arnstadt: (v.l.) Bürgermeister Alexander Dill, Landrätin Petra Enders, Geschäftsführer Bernd Trautmann und Martina Lang, ehrenamtliche Beigeordnete des Bürgermeisters. Foto: wr

Arnstadts Bürgermeister Alexander Dill stattete der Trautmann GmbH gestern seinen routinemäßigen Unternehmensbesuch ab. Landrätin Petra Enders nutzte die Möglichkeit, dieses Unternehmen  für Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektrotechnik ebenfalls kennen zu lernen. Weitere Gäste waren Martina Lang, ehrenamtliche Beigeordnete des Bürgermeisters, zugleich Geschäftsstellenleiterin der Agentur für Arbeit im Ilm-Kreis, sowie Jörg Neumann, Leiter der Abteilung Wirtschaftsförderung der Stadt Arnstadt. Firmengründer und Geschäftsführer Bernd Trautmann stellte Unternehmen und Leistungen vor, sprach aber auch Probleme an, mit denen nicht wenige Handwerksbetriebe zu kämpfen haben.

Die Firma wurde nach 1990 aus dem ehemaligen RFT Fernmeldewerk Arnstadt von Bernd Trautmann ausgegründet, der bis dahin die Abteilung Betriebsunterhaltung geleitet hatte. Er ergriff die Chance, die sich ihm damals bot, gern und baute sein neues Unternehmen mit acht Mitarbeitern, alle Fachleute für Heizung, Lüftung, Sanitär aus seiner Abteilung, auf. Der enorme Nachholbedarf in den frühen 1990er Jahren auf diesen Gebieten ließ den Betrieb schnell anwachsen, bis auf zeitweise 60 Beschäftigte, berichtete der Firmenchef. Doch am Ende dieses Booms verschwanden nicht wenige Firmen aus der Branche wieder vom Markt.

Die Trautmann GmbH blieb bestehen und setzte in den Folgejahren eine ganze Reihe zum Teil sehr großer Modernisierungs- und Neubauvorhaben um. Heizungs- und Lüftungsprojekte in mehreren Gebäuden der Ilm-Kreis-Kliniken, der TU Ilmenau, in Schulen, Pflegeheimen, Kirchen sowie der Neubau von Anlagen in Unternehmen am Erfurter Kreuz gehören dazu. Daneben, so betonte Bernd Trautmann, wurden private Kunden nie vernachlässigt. Bei Neubau und Sanierung liegen in diesem Bereich Luft-Wärmepumpen im Trend, etwas weniger Wärmepumpen zur Erdwärmenutzung. Einzeln werden auch Brennstoffzellen nachgefragt, mit deren Hilfe aus den Abgasen der Heizungsanlage Wasserstoff abgespalten wird, der dann zur Stromgewinnung dient. Die Kosten sind relativ hoch, doch gibt es dafür gute Förderprogramme, so Trautmann. Zunehmend wachse auch die Nachfrage nach intelligenter Haustechnik, die aus der Ferne mit dem Smartphone bedient werden kann.

Derweil steht das Arnstädter Unternehmen jedoch vor dem Problem, dass nicht mehr alle Aufträge angenommen werden können. Als Ursache nannte der Geschäftsführer den Mangel an qualifizierten Fachkräften: „Wir haben keine großen Werkhallen und Maschinen. Die Mitarbeiter sind unser ganzer Reichtum. Doch dieser schwindet immer mehr.“ Heizungsbauer und Anlageninstallateure benötigt der Betrieb vor allem. Doch der Arbeitsmarkt ist so gut wie leer. Im Gegenteil: qualifizierte Mitarbeiter wandern vom Handwerk in die Industrie ab. Auch Auszubildende findet Trautmann nur noch schwer. Drei Lehrlinge sind momentan in dem Unternehmen. Der Chef hat allerdings schon viele ausgebildet, die dann nicht geblieben sind.

Martina Lang bestätigte diese Entwicklungen aus der Sicht der Agentur für Arbeit, wonach viele freie Stellen in der Wirtschaft von der Arbeitsagentur nicht mehr abgedeckt werden können. Sie betonte aber auch, dass es zahlreiche Qualifizierungsprogramme gibt, mit denen Unternehmen unterstützt werden können, wenn sie Mitarbeiter finden, die nicht über alle erforderlichen Kenntnisse oder alle beruflichen Abschlüsse verfügen. Bürgermeister Dill riet zu Patenschaften mit Schulen, um frühzeitig Schüler für die Firma zu interessieren. Die Landrätin gab den Rat, Berufsmessen und den Arnstädter Wirtschaftsfrühling zu nutzen.

Die Unternehmensnachfolge ist in der Trautmann GmbH weitgehend gesichert, berichtete der Firmenchef. Zwei Meister aus seinem Unternehmen würden den Betrieb gern übernehmen. Doch hier hat es offenbar jüngst Probleme mit der Finanzierung dieses Vorhabens gegeben. Trautmann sagte, dass alle Sicherheiten vorhanden seien, aber die Banken wegen der geringen Zinssätze möglicherweise wenig Interesse an der Vergabe von Krediten hätten. Petra Enders sagte als Vorsitzende des Verwaltungsrates der Sparkasse Arnstadt-Ilmenau zu, in dieser Angelegenheit einmal nachzufragen.