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Positive Bilanz der Unternehmen trotz weniger Besucher

Mit knapp 2000 gezählten Gästen war der Arnstädter Wirtschaftsfrühling wieder ein starker Publikumsmagnet. Doch blieb die Besucherzahl deutlich unter der des Vorjahres.

Landrätin Petra Enders am Stand der Arnstadt Kristall GmbH. Daniel Rettig demonstriert die Gravur eines Pokals. Foto: wr

Am Stand der Initiative Erfurter Kreuz: (v.l.) Josef Willms, Vorsitzender der Initiative, Irena Michel, Leiterin Jobcenter Ilm-Kreis, Martina Lange, Leiterin der Agentur für Arbeit in Arnstadt, Landrätin Petra Enders und Bürgermeister Alexander Dill.

Gespräch beim Messerundgang: (v.l.) Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen, Beatrice Ströhl, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Erfurt, Jobcenter-Chefin Irena Michel und Landrätin Petra Enders. Foto: wr

Am Stand des Ilm-Kreises konnten sich die Gäste über die Region informieren. Astrid Schubert (vorn) von der Wirtschaftsförderung des Ilm-Kreises und Regionalmanager Frank Leipe (Hintergrund) gaben erste Orientierung zum Wirtschaftsfrühling. Foto: wr

53 von den im Vorfeld angemeldeten 57 Unternehmen haben sich am heutigen Samstag mit einem Stand auf dem 5. Arnstädter Wirtschaftsfrühling in der Stadthalle Arnstadt präsentiert. Hatten im Jahr 2013 noch mehr als 3000 Besucher den von der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter Ilm-Kreis und der Stadt Arnstadt organisierten Wirtschaftsfrühling als Messe für Arbeits- und Ausbildungsplätze in der TECHNOLOGIE REGION ILMENAU ARNSTADT genutzt, war diese Zahl mit 2000 diesmal deutlich geringer. Dennoch zeigten sich sowohl Veranstalter als auch Aussteller durchaus zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung. Insbesondere die ausstellenden Unternehmen, die mehr als 600 Arbeits- und Ausbildungsplätze vorstellten, zogen am Ende eine positive Bilanz.

Die Ursachen für den Rückgang der Besucherzahl mögen vielschichtig sein. Doch bereits in ihrer Begrüßungsansprache deutete Beatrice Ströhl, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Erfurt an, dass sich der Arbeitsmarkt, insbesondere im Ilm-Kreis, stark gewandelt hat: „Noch vor fünf Jahren standen wir vor der Aufgabe, möglichst viele Menschen in Arbeit zu bringen. Heute sehen wir uns dagegen in der Situation, dem Mangel an Fachkräften in Unternehmen entgegenzuwirken.“ Der demografische Wandel sei dabei die größte Herausforderung. Da gerade der Anteil der 20- bis 65-Jährigen, das heißt die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter, in Thüringen dramatisch zurückgehen werde, rief sie die Unternehmen dazu auf, an Arbeitssuchende neue Kriterien anzulegen: „Künftig wird es erforderlich sein, Bewerbungen nicht nur mit dem ersten Blick zu betrachten, sondern den zweiten Blick zur Beurteilung heranzuziehen.“

Beim Messerundgang, an dem neben Beatrice Ströhl auch Landrätin Petra Enders, Arnstadts Bürgermeister Alexander Dill, die Leiterin der Geschäftsstelle Arnstadt der Agentur für Arbeit, Martina Lang, die Leiterin des Jobcenters Ilm-Kreis, Irena Michel, sowie Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen teilnahmen, wurde der hohe Bedarf an Fachkräften in den Unternehmen deutlich. Gesucht wurden vor allem qualifizierte Facharbeiter, Ingenieure mit Erfahrungen in der Konstruktion, aber auch junge Leute mit Interesse an Qualifizierung, zum Beispiel als Werkstudenten.

Die Landrätin lobte den Arnstädter Wirtschaftsfrühling als Veranstaltung, in der Angebot und Nachfrage allen nützen: „Es ist beeindruckend, wie hier sehr konkrete Interessen der Besucher und der Unternehmen unmittelbar aufeinander treffen. Da haben beide Seiten gute Chancen.“ Am Rand der Messe nutzte Petra Enders auch die Möglichkeit, mit Dr. Ralf Pieterwas über die öffentliche Auseinandersetzung zwischen ihr und dem IHK-Hauptgeschäftsführer zum Bau der Stromtrasse über den Thüringer Wald zu sprechen. Enders betonte, dass es in der Politik nötig sei, sich gegenseitig klar die Meinung zu sagen und dennoch sachlich miteinander zu reden: „Zu der Stromtrasse wird es nicht bei nur einem Gespräch mit der IHK bleiben.“

Unter den Gästen des Arnstädter Wirtschaftsfrühlings gab es unterschiedliche Motive für den Besuch der Veranstaltung. Viele Besucher kamen, um sich über Angebote auf dem Arbeitsmarkt zu informieren, obwohl sie eine feste Arbeitsstelle haben. Bernhard Kahl aus Arnstadt sagte, dass er immer Ausschau nach Stellen halte, auch wenn er eigentlich mit seiner jetzigen Arbeit recht zufrieden sei: „Wenn ich mich verbessern kann, werde ich das nutzen.“ Anders bei Steffi Löhn, die aus Ilmenau gekommen war. Sie hatte gerade erst ihre Stelle als kaufmännische Angestellte verloren: „Für mich ist das hier eine Chance, vielleicht etwas Neues zu finden.“ Auch kritische Stimmen gab es. Edeltraut Mämpel aus Arnstadt meinte: „Wenn man hier an den Ständen steht, bekommt man viele Angebote. Wenn ich dann eine Bewerbung hin schicke, bekomme ich diese ganz schnell wieder zurück.“

Die Aussteller zeigten sich zufrieden mit dem Wirtschaftsfrühling, auch wenn bei ihnen nicht alle Wünsche in Erfüllung gingen. Maik Zila, Projektleiter in der Heller Maschinenbau GmbH, sucht vor allem Konstrukteure für sein Unternehmen: „Es wird zunehmend schwierig, auf diesem Gebiet Mitarbeiter mit entsprechender Qualifikation zu finden. Immerhin waren heute einige Bewerber dabei, mit denen wir ernsthaft ins Gespräch kommen werden.“ Ulrike Kücker, Geschäftsführerin der Olympia Personalleasing GmbH Arnstadt, ist auf der Suche nach Fachkräften quer durch alle Branchen: „Für uns hat sich der Arnstädter Wirtschaftsfrühling immer gelohnt. Wir nehmen gern an der Messe teil.“ Auch die Arnstädter Verzahnungstechnik GmbH ist dem Arnstädter Wirtschaftsfrühling von Anfang an treu. Prokuristin Isabella Fabig: „Wir suchen in diesem Jahr noch Auszubildende. Aber es gibt bei uns auch noch andere Angebote.“